Am Morgen mussten Hanna und ich leider Sanna Richtung Cusco ziehen lassen. Mehr als traurig!
Etwas kuriert habe ich mich auf mit dem Mountainbike auf die ‚Death Road‘ begeben. Voll ausgestattet mit Helm etc. habe ich mich die Todesstrasse herunter gestürzt. Der anfängliche Regen hat sich später sogar noch in Sonne verwandelt und die Wolken haben den Blick auf djungelartige Landschaft mit schimmernden Schmetterlingen und Wasserfällen freigegeben. Es war auch ehrlich nicht tödlich gefährlich, aber hinlegen könnte man sich schon gut. Verdreckt und adrenalingeladen gab es dann noch Lunch und wir sind drei Stunden bergauf nach La Paz zurück gekehrt. Ein Mal ganz unbolivianisches Erlebnis!
Archiv des Monats: Dezember 2016
La Paz, dritter Teil
Nachdem wir den Nachtbus überlebt haben, haben wir ins Hostel eingecheckt, Pancakes genossen (nur noch drei Mal, dann kann ich sie nie wieder sehen!) und wieder mal eine Runde organisiert. Wir sind durch die Stadt gewandert, haben Huayna Potosi abgeklärt (Hanna wagt diesen Trip mit mir, Hurraaa!!), ich habe mir einen Platz für die Death Road gesichert, wir waren arabisch Essen, haben den besten Kaffee der Stadt genossen und dann relativ spontan beschlossen, uns die Fighting Cholitas anzusehen…
Das ist eine Wrestling-Show mit traditionell gekleideten Damen. Neben diesen Ladies treten auch normale Wrestler auf. Ich würde mal sagen, man verpasst nichts, wenn man diese Show nie gesehen hat aber es war trotzdem witzig. Ein unterhaltsamster Abend, der auch mit viel Fremdschämen verbunden war.
Leider macht mein Magen-Darm-Trakt mal wieder witzige Sachen, sodass ich eher früh im Bett lande und zur Vorsicht mal das Antiparasitenmittel einnehme…
Rurrenabaque
Nach dem Frühstück haben wir das erste Mal dafür gesorgt, das die Tour auf uns warten musste und nicht umgekehrt. Dafür mussten wir innerhalb von 5 Minuten packen und haben natürlich die Hälfte vergessen…
Mit dem Auto ging es dann Richtung ‚Yacuma National Park‘ mit Faultier-Beobachtung als Zwischenstopp. Nach dem Lunch sind wir in ein Boot umgestiegen und vier Stunden lang den ‚Yacuma River‘ hoch, ein Abkömmling des Amazonas. Unterwegs gab es allerhand Tiere zu entdecken: unfassbar viele Alligatoren, die schrägsten Vögel, das quasi Nationaltier Boliviens (dessen Name ich mir nicht merken kann, schaut aber aus wie ne Mischung zwischen Schwein und Murmeltier) und ab und an hat sich sogar ein Flussdelfin blicken lassen. Am unterhaltsamsten waren natürlich die Äffchen, die wir mit Bananen auf unser Boot gelockt haben. Die sind richtig ausgerastet, Mama mit Baby inklusive.
Da ich auch die Sonnencreme vergessen habe, war die gemütliche Flussfahrt ein Kampf gegen die Sonne. Gerade als ich aufgeben wollte sind wir an unserem Nachtquartier angekommen: Holzhütten auf Pfählen mehr oder weniger im Djungel.
Hier gab es -wie sollte es auch anders sein- Popcorn und dann haben wir alle Nachmittagsschlaf gehalten.
In der Dämmerung sind wir nochmal aufgebrochen, wurden zum Sonnenuntergang in eine Touribar geschippert und haben dort gewartet bis es richtig dunkel war. Dann sind wir im Dunkeln mit Stirn- und Taschenlampen bewaffnet zurück zum Camp. Wenn man den richtigen Winkel traf konnte man die Augen der Alligatoren orange leuchten sehen. Ziemlich cool aber auch ein wenig gruselig!
Nach dem Dinner sind wir die Naturdusche ausprobieren gegangen (das Klima lässt auch nachts Duschen zu, mal was anderes) und dann unter die Moskitonetze ins Bett gekrochen.
Am nächsten Morgen hat es leider in Strömen geregnet, sodass wir anstatt Birdwatching schlafen konnten. Nach dem Frühstück ging es dann mit Gummistiefeln und Regenponcho bewaffnet im wahrsten Sinne des Wortes quer durch die Pampa, die leider so geflutet war, das man mehr als einmal stecken geblieben ist und der Schlamm einem fast die Stiefel ausgezogen hat. Wir haben uns dort auf die Suche nach Anakondas gemacht, aber leider keine gefunden. Stattdessen hat der Regen und seltsamerweise endlos viele Moskitos uns gefunden. Halb aufgegessen haben wir uns dann etwas enttäuscht wieder Richtung Boot vorgearbeitet, nicht ohne die Gummistiefel noch vollständig zu fluten.
Nach einer Mittagspause, die wir im Schutze der Moskitonetze im Bett verbracht haben sind wir los, Piranhas angeln. Und wie fängt man die am besten? Richtig, mit rohem Fleisch! Also haben wir die Angelhaken ausgestattet und los ging’s. Ich habe es leider nicht geschafft, die Piranhas ins Boot zu schnicken, aber Sanna und Cara haben jeweils einen Fisch gefangen, genauso unser Guide. Als wir von Moskitos aufgefressen wurden (das war wirklich alles andere als witzig) haben Hanna und ich dann die Crew zum Heimgehen gezwungen. Auf dem Heimweg ist dann noch ein riesiger Fisch mit Unterbiss in unser Boot gehupft.
Mit 100 Moskitostichen mehr haben wir das Abendessen und anschließend 10h Schlaf genossen.
Der nächste Morgen begann schon mit 10 weiteren Stichen und einem zuckrig-fettigem Frühstück. Es wird Zeit, wieder in die Zivilisation zurückzukehren! So cool die Pampa und all ihre Tiere sind, die Moskitos vermiesen einem jeglichen Spaß!
Den Vormittag wollten wir mit ‚Schwimmen mit Delfinen‘ verbringen, aber diese scheuen Flussbewohner sind immer schnell geflohen, wenn wir mit knatterndem Motor näher kamen. Ins Wasser sind wir trotzdem (trotz Alligatoren am Ufer), auch wenn es wieder eher ‚Schwimmen mit Moskitos‘ war. Auf dem Heimweg hat uns ein gewaltiges Schauer überrascht, sodass wir pitsch patsch nass am Camp ankamen. Der Blick auf den Fluss im Regen ist allerdings super schön.
Leider hat der Regen überhaupt nicht mehr aufgehört, sodass wir mit dem Boot und all unseren Sachen durch peitschende Böhen gebrettert sind, bis alles durchnässt war. Dann mussten wir noch eine Stunde auf unser Auto warten (Brrr!) und dann sind wir endlich in einem Affentempo -links und rechts die braune Brühe hoch spritzend- nach Rurrenabaque zurück gekehrt.
Heute Abend werden wir mal wieder den Nachtbus an der eh schon gefährlichen Strasse nach La Paz wagen!
Nachtrag
Kurz bevor wir los starten wollen gehen wir in ein Restaurant, zum Essen und Internet benutzen. Hanna erfährt, das eine gute Freundin von ihr gestorben ist. Todesursache ist noch unklar, sowas wie ein Anfall wohl aber sie war nicht älter als wir! Uns fehlen die Worte…
Außerdem ist Sanna wieder krank und wir wegen all den Schwierigkeiten wahnsinnig spät dran (selbst für bolivianische Verhältnisse). Drei Kumpels unser Tour-Agency bringen uns daher gegen ein kleines Endgeld mit dem Motorrad zum Bus. Dort gibt es wieder ein bisschen Heck-Meck und doppelt belegte Sitzplätze und los geht die Fahrt über die wohl nicht umsonst betitelte ‚Death Road‘.
Merry Christmas
Eline und ich haben mit den Locals am Busbahnhof gefrühstückt und dann die anderen zwei Mädels eingesammelt. Wir haben unseren Vermieter von AirBnb getroffen, der hat uns in das Apartment gebracht und dann haben wir eine endlos lange Einkaufsliste angelegt und sind losgetigert. Der Einkauf dauerte natürlich länger als gedacht und anschließend mussten wir gefühlt hundert Kilo den Berg hoch schleppen. Dafür haben wir uns mit einem super vegitarischem Buffet belohnt.
Etwas unter Zeitdruck sind wir in die Innenstadt gelaufen, haben Touren geklärt und Geschenke gekauft.
Am Abend ist dann noch Juho zu uns gestoßen, ein weiterer Finne.
Momentan versorgt mich immer noch Eline mit Geld und ich muss langsam einen Vorrat bis Kolumbien anlegen :/
Den 24. haben wir sehr finnisch mit Carelian Pies begonnen. Super lecker! Am Vormittag habe ich mit vielen wundervollen Menschen telefoniert und meine Flüge nach Kolumbien organisiert. Nach finnischem Mittagessen (Riceporridge, ebenfalls sehr schmackhaft!) sind Eline und ich nochmal in die Stadt gestartet, um letzte Besorgungen zu machen.
Am Abend wurde es dann doch sehr weihnachtlich: wir haben uns alle ordentlich angezogen, eine Ananas mit Kopflampen als Weihnachtsbaum aufgestellt, das Essen vorbereitet…
Es war ein Festmahl: Rote Beete Salat, Omelett mit Käse, Ofengemüse, Süßkartoffel-Mash, gebratene Aubergine,…
Als Nachtisch habe ich versucht Bratäpfel zu machen, aber mangels Marzipan sind sie eher bolivianisch abgeändert ausgefallen.
Mit Schokolade und Mudcake haben wir es uns gemütlich gemacht.
Hanna und Sanna haben sich als Weihnachtsmann und helfender Elf verkleidet (mit Perücken und allem drum und dran) und uns Geschenke verteilt, wärend wir uns schlappgelacht haben.
Mit vollen Bäuchen, nach einem kurzen Movie und sehr glücklich sind wir viel zu spät ins Bett gegangen…
Heute morgen haben wir versucht möglichst viel der Reste zu vernichten, haben schnell unsere Sachen gepackt und uns verabschiedet. Eline werde ich erst in Kolumbien wieder sehen :/
Hanna, Sanna und ich sind zu einer kleinen Bushaltestelle gefahren, von wo aus wir mit dem Bus nach Rurrenabaque fahren wollen. Also sitzen wir jetzt im Local-Bus, der klapprig, holprig, vollgestopft und mit den komischsten Leuten beladen ist. Es sitzen teilweise 3 Kinder auf einem Platz, eine Familie hat ihre Babykatze dabei und es gibt kein Klo. Die nächsten 15 Stunden werden ein Fest…
Der Bus ist teilweise erschreckend nahe am Abgrund entlang gerumpelt (keine 5cm mehr bis zum sicheren Tod). Es war staubig und auch mal nass, wir haben in einer Stadt Pause gemacht, wo es nichts vegitarisches zu essen gab, ich hab quasi nicht geschlafen (zu holprig) und es kam noch ein Gewitter runter.
Wir sind früher als geplant in Rurrenabaque angekommen, sodass wir dann noch 3h auf den Holzbänken im Busterminal verbracht haben, bevor wir Frühstücken und zum Büro unserer Tour gegangen sind. Allerdings war das sau unbequem und ich bin ständig aufgewacht, weil ich Angst um meine Sachen hatte.
Aktuell würde ich nicht nein sagen, mal 48h in meinem eigenen Bett durchzuschlafen…
Sucre
Am Abend ist es mir leider nicht gelungen, Geld abzuheben. Am nächsten Morgen stellt sich heraus, dass meine Kreditkarte gesperrt ist wegen verdächtiger Anfragen auf Online-Zahlungen. Es ist zwar super, das meine Bank so sicher ist, jedoch ist mir damit der Geldhahn abgedreht…
Vorerst muss ich auf Elines Kosten leben, die mich glücklicherweise finanzieren kann und mag. Wieder einiges an Organisation nötig und langsam geht mir meine Pechsträhne auf die Nerven.
Nichtsdestotrotz haben wir uns zusammen mit zwei Französinnen, mit denen wir den Jeep geteilt haben, einen schönen Tag in dieser noch schöneren Stadt gemacht: nach Frühstück im coolen Hostel haben wir uns Bustickets nach La Paz besorgt, sind über Mercados geschlendert, haben in Shorts die Wärme genossen, einen frischen Saft getrunken und die Winkel der offiziellen Hauptstadt Boliviens erkundet. Es ist nebenbei auch die Schokoladen-Hauptstadt Boliviens und das haben wir voll ausgekostet (und Notrationen für Weihnachten angelegt). Die Menschen hier sind deutlich netter als die üblichen Bolivianer und irgendwie westlicher.
Nach Lunch in einem vegetarischen Restaurant mit dem Klassiker ‚Papa Rellento‘ und original bolivianischem Kaffee sind wir zum Cementerio gelaufen. Dieser Friedhof ist vermutlich einer der schönsten, die ich je gesehen habe: Mamorfußboden, wunderschöne Mausoleen, eigenartige aber interessante ‚Schaufenster‘ anstatt Gräbern.
Ich habe noch versucht mit meiner Bank zwecks neuer Kreditkarte zu kommunizieren, muss dies aber aufgrund der Zeitverschiebung auf morgen vertagen.
Wir haben uns dann noch den Berg hochgeschnauft, um die Stadt und ihre zahlreichen weißen Kirchen von oben zu betrachten.
Jetzt sitzen wir zu viert im Nachtbus nach La Paz, wo über Weihnachten einiges an Organisation auf mich zukommt.