Nach dem Frühstück haben wir das erste Mal dafür gesorgt, das die Tour auf uns warten musste und nicht umgekehrt. Dafür mussten wir innerhalb von 5 Minuten packen und haben natürlich die Hälfte vergessen…
Mit dem Auto ging es dann Richtung ‚Yacuma National Park‘ mit Faultier-Beobachtung als Zwischenstopp. Nach dem Lunch sind wir in ein Boot umgestiegen und vier Stunden lang den ‚Yacuma River‘ hoch, ein Abkömmling des Amazonas. Unterwegs gab es allerhand Tiere zu entdecken: unfassbar viele Alligatoren, die schrägsten Vögel, das quasi Nationaltier Boliviens (dessen Name ich mir nicht merken kann, schaut aber aus wie ne Mischung zwischen Schwein und Murmeltier) und ab und an hat sich sogar ein Flussdelfin blicken lassen. Am unterhaltsamsten waren natürlich die Äffchen, die wir mit Bananen auf unser Boot gelockt haben. Die sind richtig ausgerastet, Mama mit Baby inklusive.
Da ich auch die Sonnencreme vergessen habe, war die gemütliche Flussfahrt ein Kampf gegen die Sonne. Gerade als ich aufgeben wollte sind wir an unserem Nachtquartier angekommen: Holzhütten auf Pfählen mehr oder weniger im Djungel.
Hier gab es -wie sollte es auch anders sein- Popcorn und dann haben wir alle Nachmittagsschlaf gehalten.
In der Dämmerung sind wir nochmal aufgebrochen, wurden zum Sonnenuntergang in eine Touribar geschippert und haben dort gewartet bis es richtig dunkel war. Dann sind wir im Dunkeln mit Stirn- und Taschenlampen bewaffnet zurück zum Camp. Wenn man den richtigen Winkel traf konnte man die Augen der Alligatoren orange leuchten sehen. Ziemlich cool aber auch ein wenig gruselig!
Nach dem Dinner sind wir die Naturdusche ausprobieren gegangen (das Klima lässt auch nachts Duschen zu, mal was anderes) und dann unter die Moskitonetze ins Bett gekrochen.
Am nächsten Morgen hat es leider in Strömen geregnet, sodass wir anstatt Birdwatching schlafen konnten. Nach dem Frühstück ging es dann mit Gummistiefeln und Regenponcho bewaffnet im wahrsten Sinne des Wortes quer durch die Pampa, die leider so geflutet war, das man mehr als einmal stecken geblieben ist und der Schlamm einem fast die Stiefel ausgezogen hat. Wir haben uns dort auf die Suche nach Anakondas gemacht, aber leider keine gefunden. Stattdessen hat der Regen und seltsamerweise endlos viele Moskitos uns gefunden. Halb aufgegessen haben wir uns dann etwas enttäuscht wieder Richtung Boot vorgearbeitet, nicht ohne die Gummistiefel noch vollständig zu fluten.
Nach einer Mittagspause, die wir im Schutze der Moskitonetze im Bett verbracht haben sind wir los, Piranhas angeln. Und wie fängt man die am besten? Richtig, mit rohem Fleisch! Also haben wir die Angelhaken ausgestattet und los ging’s. Ich habe es leider nicht geschafft, die Piranhas ins Boot zu schnicken, aber Sanna und Cara haben jeweils einen Fisch gefangen, genauso unser Guide. Als wir von Moskitos aufgefressen wurden (das war wirklich alles andere als witzig) haben Hanna und ich dann die Crew zum Heimgehen gezwungen. Auf dem Heimweg ist dann noch ein riesiger Fisch mit Unterbiss in unser Boot gehupft.
Mit 100 Moskitostichen mehr haben wir das Abendessen und anschließend 10h Schlaf genossen.
Der nächste Morgen begann schon mit 10 weiteren Stichen und einem zuckrig-fettigem Frühstück. Es wird Zeit, wieder in die Zivilisation zurückzukehren! So cool die Pampa und all ihre Tiere sind, die Moskitos vermiesen einem jeglichen Spaß!
Den Vormittag wollten wir mit ‚Schwimmen mit Delfinen‘ verbringen, aber diese scheuen Flussbewohner sind immer schnell geflohen, wenn wir mit knatterndem Motor näher kamen. Ins Wasser sind wir trotzdem (trotz Alligatoren am Ufer), auch wenn es wieder eher ‚Schwimmen mit Moskitos‘ war. Auf dem Heimweg hat uns ein gewaltiges Schauer überrascht, sodass wir pitsch patsch nass am Camp ankamen. Der Blick auf den Fluss im Regen ist allerdings super schön.
Leider hat der Regen überhaupt nicht mehr aufgehört, sodass wir mit dem Boot und all unseren Sachen durch peitschende Böhen gebrettert sind, bis alles durchnässt war. Dann mussten wir noch eine Stunde auf unser Auto warten (Brrr!) und dann sind wir endlich in einem Affentempo -links und rechts die braune Brühe hoch spritzend- nach Rurrenabaque zurück gekehrt.
Heute Abend werden wir mal wieder den Nachtbus an der eh schon gefährlichen Strasse nach La Paz wagen!
Nachtrag
Kurz bevor wir los starten wollen gehen wir in ein Restaurant, zum Essen und Internet benutzen. Hanna erfährt, das eine gute Freundin von ihr gestorben ist. Todesursache ist noch unklar, sowas wie ein Anfall wohl aber sie war nicht älter als wir! Uns fehlen die Worte…
Außerdem ist Sanna wieder krank und wir wegen all den Schwierigkeiten wahnsinnig spät dran (selbst für bolivianische Verhältnisse). Drei Kumpels unser Tour-Agency bringen uns daher gegen ein kleines Endgeld mit dem Motorrad zum Bus. Dort gibt es wieder ein bisschen Heck-Meck und doppelt belegte Sitzplätze und los geht die Fahrt über die wohl nicht umsonst betitelte ‚Death Road‘.