Die Chance des Morgens hat sich als falsch heraus gestellt, die Situation hat sich über Nacht verschärft.
Es ist nicht so als seien wir akut bedroht aber es ist kein gutes Gefühl, so eingesperrt zu sein.
Aber Bolivien wäre nicht Bolivien wenn es nicht aus der Not von Leuten (besonders Touristen) Geld machen würde. Also haben wir soeben einen Jeep bezahlt, der uns um 10 in einer Szene, die für einen schlechten Actionfilm spricht, durch die Wüste aus der Stadt bringen soll.
Mal sehen…
Archiv für den Tag: 21. Dezember 2016
Salinar de Uyuni
Tag 1
Um 5.30 sind wir dann übermüdet aus dem Bus gepurzelt, direkt in die Arme von tausenden Touranbietern. Viel mehr gibt es hier auch nicht: Restaurants und Touranbieter. Dann mussten wir leider feststellen, das wir umgerechnet ca. 30 Euro zu viel bezahlt haben. Wieder mal Lehrgeld bezahlt. Da Sanna krank war (Diagnose: Parasiten) und wir alle unfassbar müde gab es wieder den ein oder anderen emotionalen Moment und ich habe mich ehrlich nach Hause gewünscht.
Nach ein bisschen Zeit totschlagen und Sanna mein Antiparasitenmittel einflößen, ging es dann über den Zugfriedhof (alte rostige Züge, die zu coolen Shootings einladen) im Jeep Richtung Salzwüste.
Erster Stop: Blubbernde Pfützen, die vermutlich durch vulkanische Aktivität entstanden sind.
Dann konnten wir in der Wüste allerlei Bilder machen, darunter natürlich Klassiker, die mit der Perspektive spielen.
Diese Salzwüste ist wirklich abgefahren. Sie endet gefühlt nie und wenn man über das knirschende Salz läuft könnte man sich fast in den Skiurlaub träumen.
Nach dem Lunch auf einem Touristenmarkt haben wir uns noch ein wenig in den endlosen weißen Weiten verloren und dann eine Steininsel in mitten des Nichts besucht, auf der riesige Kakteen wachsen. Die Sonne ballert hier so richtig und erst als sie hinter grauen Wolken verschwindet setzt sie versprochene Kälte ein.
Immer noch durchs weiße Nichts ging es dann mit Zwischenstopp an den Salzblöcken, mit denen man seinen Namen bauen konnte, bis zu unserem Hostel, das -wie sollte es anders sein- komplett aus Salz gebaut ist.
Eline und ich haben sich ewig mit den zwei Kolumbianern unterhalten, die in unserer Gruppe sind und jede Menge Insidertipps erhalten.
Leider wurden wir mal wieder etwas abgezogen, denn die Dusche, die uns angepriesen wurde mussten wir hinterher doch bezahlen. Hidden costs, Hallo!
Außerdem hat unser Guide uns mitgeteilt, das sich Uyuni ab sofort im Streik befindet und dort keinerlei Autos, Busse oder sonstiges fährt. Wir müssen also hoffen, das wir am Dienstag mit dem Nachtbus die Stadt überhaupt verlassen können. Alles andere wäre echt bescheiden…
Der Sternenhimmel hier draußen ist natürlich unvergleichlich!
Tag 2
Nach zuckerreichem Frühstück haben wir grummelig unsere Dusche vom Vortag bezahlt und sind mit bolivianischer Verspätung aufgebrochen. Mit dem Jeep ging es über jede Menge holprige Schotterpisten durch steppenartige Landschaft. Immer mal wieder ein Stop, mal mit Schafen, mal mit Lamas, mal mit Flamingos. Gegen Mittag sind wir durch die ‚Stadt der Steine‘ flaniert, coole Felsen die einfach so plötzlich in der Landschaft auftauchen. Nach Lunch aus dem Auto raus ging es dann durch eine Steinwüste Richtung Nationalpark ‚Eduardo Avaroa‘. Wir sind an der pinken Laguna Colorada vorbei gescheppert und gerade als mal wieder alle in den Schlaf gerüttelt waren haben wir an den Hot Springs gehalten. Ein kleines Becken, nicht der Rede wert.
Eine weitere Stunde im Auto und uns beschleicht das Gefühl wir hätten uns besser über die Tour informieren sollen. Denn in Bolivien bekommt man leider nur selten genügend Infos…
Nachdem wir uns durch den Staub gekämpft haben und unsere Popos schon ganz platt gesessen sind haben wir noch kurz die Laguna Verde an der chilenischen Grenze gesehen. Leider auch nicht so spektakulär wie erwartet…
Die Landschaft ist allerdings hübsch anzusehen.
Auf dem Weg zum Nachtrefugium haben wir noch den für heute aufregendsten Stop gemacht: den nach faulen Eiern stinkenden Geysir. Da er ständig seine Richtung ändert wurden wir beim Versuch Fotos zu machen mehr als nur einmal komplett eingenebelt! Mit 5000 m über dem Meeresspiegel ist er auch der höchste Punkt der Tour. Abends wurden wir wieder mit simplen Essen und Keksen abgespeist und nach ein paar Runden Karten sind wir dann auch ins Bett gegangen.
Tag 3
Nach der Nacht im schäbigsten Hostel weit und breit fiel das Frühstück wieder gewohnt zuckrig aus, was man wirklich merkt wenn man sich direkt danach in ein ruckliges Auto steigt.
In der Morgensonne haben wir an der Laguna Colorada gehalten. Rosa und glitzernd, mit Flamingos gespickt war das eine sehr schöne Art und Weise den Morgen zu beginnen.
An rötlich gestreiften Bergen vorbei ging es über Geröll und Staub zu einer Ansammlung von Felsen, von denen einer wie ein Baum geformt ist.
Wieder Auto fahren mit Stop an einem Salzsee mit Straußen und noch mehr Felsen… Noch immer ist die Situation in Uyuni nicht geklärt und es kann gut sein, das wir 17 km in die Stadt laufen müssen und heute nicht mit dem Nachtbus weiter können.
Der Lunchstop an der Laguna Negra viel mal wieder recht basic aus. Das ging es weiter zu einer kleinen Stadt, wo wir erfahren haben, das wir zumindest nach Uyuni rein können (Schleichwege etc.) aber die Wahrscheinlichkeit auf einen Nachtbus verschwindend gering ist…
Es folgt eine Actionfilm-würdige Szene, in der sämtlich 4×4 Jeeps im Affentempo, den Sand aufwirbelnd, Wege in die Stadt suchen. Dort angekommen stellen wir nach einigem Hin und Her fest, das es für uns leider kein Weiterkommen gibt. Nach weiterer Warterei beschließen Hanna und Sanna zurück nach La Paz zu fahren (die einzige Möglichkeit aus Uyuni heraus zu kommen). Eline und ich hoffen weiter auf den ersten Bus nach Potosi morgen früh…
La Paz, erster Teil
Nach Ausschlafen und Pancake-all-you-can-eat-Frühstück haben wir uns auf eigene Faust in boliviens Hauptstadt umgesehen. Wir haben eine Shopping-Strasse entdeckt, auf die wir bestimmt später nochmal zurück kommen werden, haben den Hexenmarkt besucht (allerlei Grusel wie Lamaembryos und allerlei Wundermittel) und sind sonst noch durch jede Menge Strassen gestreift. Irgendwo dazwischen hat leider jemand versucht meinen juten Jutebeutel aufzuschlitzen (La Paz ist ein diebisches Pflaster), sodass er jetzt eine Piratennarbe trägt. Zum Glück ist nichts weggekommen und ich verstehe es als Warnung.
Durch Zufall haben wir Leute wieder getroffen, die mit uns im Colca Canyon waren. Wir haben uns verabredet am Nachmittag mit der Seilbahn auf einen der unzähligen Hügel zu fahren. Die Aussicht war überragend und wenn man bedenkt, das diese Seilbahn eigentlich sowas wie ein öffentliches Verkehrsmittel ist, macht der Weg zur Arbeit dem ein oder anderen gleich viel mehr Spaß.
Den Abend haben wir mit Internet-Research und Planungschaos verbracht.
Am nächsten Tag ging der Vormittag auch wieder mit Flügesuche und dem ein oder anderen finnischen Nervenzusammenbruch drauf, weil die zwei jetzt doch nicht mit nach Kolumbien kommen und die Flüge nach Finnland super teuer sind. Endlich ist auch wieder Eline mit uns vereint! Wir haben uns eine Tour für Uyuni am nächsten Tag besorgt und sind anschließend als netten Ausflug noch ins Valle de la Luna (Mondtal). Dort sind super komische Gesteinsformationen zu sehen, die einen an den Mond erinnern.
Abends sind wir dann wieder mal in einen Nachtbus nach Uyuni gestiegen, der entgegen aller Erwartungen leider eher einer finnischen Sauna glich als der üblichen Eishöhle…