Hasta Luego Sudamerica

Und jetzt ist er da, dieser Moment, an den ich schon lange gedacht habe. Alles Gepäck eingecheckt, die Sicherheitskontrollen passiert. Nichts mehr zu tun als auf Flüge zu warten, Leute zu betrachten, abgepacktes Flugzeugessen zu geniessen.
Der Weg hierher war nochmal schwer, den zu guter Letzt haben sich noch einmal Parasiten in meinen Magen-Darm-Trakt eingeschlichen und mir die Nacht zur Hölle gemacht. Mit Mitternachtslieferung habe ich mir wieder Mal Secnidazol gegönnt, die Nacht nicht geschlafen, sondern ständig zum Klo gerannt. Der Taxifahrer um 4.00 hatte leider kein Wechselgeld, also haben wir zusammen Taxis angehalten, von denen erst nach einer halben Stunde jemand wechseln konnte. Das System am Check-in-Schalter war zusammen gebrochen, sodass ich von einem Bein auf das andere wippend eine Stunde angestanden habe, bevor ich wieder aufs Klo rennen konnte. Eine weitere Dosis Secnidazol habe ich mit meinen letzten Pesos gekauft, was auf den Cent gereicht hat.
Und nun sitze ich da. Vollkommen verstrahlt, übermüdet, mit grummelndem Magen, unfähig den Moment zu realisieren.
Wenn mich jemand fragen würde, wie ‚ich es fand‘, würde ich vermutlich antworten: ich habe es geliebt und gehasst. Beides. Manchmal innerhalb weniger Sekunden, manchmal gleichzeitig. Südamerika war ’ne Nummer. Alleine reisen ist eine der beängstigenden, verücktesten und befreiendsten Dinge, die ich je gemacht habe. Meine Güte, was ich alles erleben durfte! Was für Menschen ich kennengelernt, was für Erfahrungen ich gemacht und was für Momente ich durchlebt habe!
Noch emotionaler als normalerweise lässt sich das alles schwer einordnen, und ich habe keine Ahnung was mich nach fast einem halben Jahr in der Ferne in ‚meiner Welt‘ erwartet. Nun ja, eigentlich weiss ich es. All das Vertraute, was ich so oft herbeigesehnt habe. Alle Menschen, die mir auf Distanz noch viel mehr ans Herz gewachsen sind. Alles was ich kenne, von dem ich weiss wie es abläuft.
Das Kapitel Südamerika ist vorerst zuende.
Turning to the next page…..

Und wieder mal Bogota

Ein bisschen ist mir Bogota ja schon ans Herz gewachsen…
Nachdem ich mit meinem riesigen Rucksack den Weg von der Krishna Farm zurück ins Hostel bestritten habe, bin ich zuerst einmal alle Dinge besorgen gegangen, die noch auf meiner Mitbringsel-Liste standen. Da ich noch einige Pesos übrig habe und sich das Wechseln kaum lohnt, habe ich nochmal gut eingekauft.
Zu Essen gab es dann noch ein letztes Mal eine Avocado, die so gross wie mein Kopf war.
Am Nachmittag habe ich mich dann in eine Free Walking Tour eingeklingt. Ein Mädel, was sogar als Aupair in Deutschland war und daher unter anderem auch Deutsch gesprochen hat, hat eine super Tour durch Bogota gemacht. Ich habe Mal wieder die volle Ladung Geschichte abgekriegt und nebenbei wahnsinnig schöne Ecken dieser unterschätzen Stadt kennengelernt. Es mischt sich auf jeden Fall viel Wehmut bei, wenn ich an meine morgige Abreise denke. Kolumbien macht den Abschied nicht leichter…

Hare Krishna Farm

Mir definitiv falschen Erwartungen habe ich mich zur Krishna Farm aufgemacht, was eeewig gedauert hat, denn alleine zum Busterminal in Bogota habe ich 1,5h gebraucht.
Im Halbdunkel bin ich dann angekommen, wurde kurz eingeführt (wirklich viele Infos habe ich nicht erhalten, aber die ständige Verwirrung ist hier eh mein Begleiter) und in einen Raum mit den anderen Freiwilligen gesetzt, wo wir einen Film über vegane Ernährung anschauen durften (aka ‚wie man mit einer veganen Diät Brustkrebs heilt‘). Die einzigen zwei netten (Deutschen) Freiwilligen haben mir gleich erzählt, das sie Samstags wieder abreisen, weil die Farm nicht ihren Erwartungen entspricht. Super!
Tag 1 beginnt mit einem Frühstück, dann geht es für Luise und mich in den Garten/aufs Feld. Wir pulen Physalis, ernten Mais, pflücken Salat und jede Menge abgefahrene Früchte, die wir selbstverständlich alle probieren, waschen Gemüse und zählen und wiegen es.
Nach dem Mittagessen spiele ich exzessiv mit Leni und Luise Wizard und wir trinken Kaffee und besorgen und im Dorf Internet und Snacks. Yoga fällt heute aus.
Dann muss ich denn Zweien leider Tschüss sagen und verbringe den Abend unspektakulär und alleine.
Tag 2 beginnt mit Yoga, Frühstück und Küchendienst. Kartoffeln schälen macht nicht besonders viel Spaß aber gegen die Langeweile nehme ich alles.
Ich stiefele wieder ins Dorf runter, auf der Suche nach Snacks und Internet.
Am Nachmittag gibt es das Hauptessen, was wir morgens zubereiten haben. Der Rest des Tages besteht aus langweilen, lesen, malen etc.
Ich bin froh, wenn ich mich morgen wieder Richtung Bogota bewegen kann. Es wird Zeit, das ich nach Hause komme.

*Nachtrag*
Sonntag Abend habe ich festgestellt, das die Kolumbianer hier meistens doch ein bisschen Englisch sprechen. In einer Mischung aus Spanisch und Englisch habe ich gelernt, Armbändchen zu knüpfen und mich überraschend gut mit Zweien von ihnen verstanden. Wir sind alle gemeinsam zum ‚Festival‘ (die sonntägliche Feier mit Sekten-Gesang), was zwar etwas befremdlich aber auch Mal interessant war. Ich habe mich außerdem gut mit einer Nonne unterhalten, die optisch ich in alt sein könnte, da ihre Großeltern aus Deutschland stammen. Später sind noch zwei weitere Freiwillige aus England angereist. Die sind furchtbar nett und wir haben uns zusammen mit einem Kolumbianer, der plötzlich perfekt Englisch konnte richtig gut unterhalten, wobei wir lokale Einsicht in die Landespolitik erhalten haben. Ich wäre eigentlich also doch gerne länger geblieben.
Was ich gelernt habe:
Es steht und fällt mit den Leuten.
Kommunikation ist das A und O.
Man kann doch eine richtig gute Zeit haben, wenn man sich nur drauf einlässt.

Kurzer Zwischenstopp in Bogota

Wie absehbar erwies sich meine Reise von Palomino nach Bogota als sehr unspektakulär. Reibungsloses Bus-Hopping, Zeit totschlagen am Flughafen, indem man mit lieben Leuten telefoniert, feststellen wie schnell die Zeit vergeht, viel Geld ausgeben für Kaffee und Snacks, in einer Internet-Blase schweben…
Aber der Abend wartete mit einem Highlight auf: Marco (Uni-Freund aus München) und seine Freundin beginnen ihren Südamerika-Trip in Bogota und wir verbringen den Abend miteinander. Das erste vertraute Gesicht seit Monaten!
Wir haben einen Arepa auf der Straße gegessen und Bier getrunken und sind dann in den Betten versunken!
Heute haben wir uns nach dem Frühstück die Graffiti-Tour zu Gemüte geführt, einen kulinarischen Ausflug durch die Stadt gemacht und jetzt werde ich mich bis zur Krishna Farm bei Granada durchschlagen, um meinen letzten Tagen hier ein wenig mehr Sinnhaftigkeit zu verleihen…

Palomino

Mit einem Jeep sind wir von unserer Residenz auf dem Berg über die Bumpy-Road wieder wieder nach Santa Marta gefahren. Dort haben wir in einer Mall (dort fühlt sich immer alles so sauber, schön, organisiert, gekühlt und westlich an) einen Zwischenstopp gemacht, um Einkäufe und Besorgungen zu machen sowie Mittag zu essen. Anschließend haben wir uns mit Sack und Pack in den Localbus nach Palomino gesetzt, der uns zweieinhalb Stunden später am Strand in diesem winzigen Ort rausgelassen hat.
Mit den Packpacks sind wir ca. 10 Minuten zu unserem brandneuen Hostel gelaufen, das aus Bambushütten besteht. Wir haben sogar noch schnell an den Strand vor geschaut und später gekocht und Uno gespielt.
Den heutigen Tag haben wir mit Yoga am Strand begonnen, dann schön gefrühstückt und gechillt. Gegen die Mittagszeit haben wir uns mit Mototaxis zum Rio Palomino bringen lassen, von wo aus wir ca. 2 Stunden in aufgeblasenen LKW-Reifen bis ins Meer gedümpelt sind. Die Natur um den Fluss war wunderschön, gegen Ende hat es allerdings fast ein bisschen zu lange gedauert.
Jetzt hängen wir alle ein bisschen in den Hängematten ab und unseren Gedanken nach.
Morgen steht Mal wieder ein Abschied an und der Tag wird super unspektakulär, weil ich ihn mal wieder alleine bestreiten werde und damit verbringen werde, von Palomino nach Santa Marta und von dort nach Bogota zu gelangen, anstatt mit den anderen den nordöstlichsten Zipfel des Landes zu erkunden…
Das letzte gemeinsame Abendmahl wird bestritten und wieder einmal gehen wir alle drei -erschlagen vom Tag- früh ins Bett.