Und jetzt ist er da, dieser Moment, an den ich schon lange gedacht habe. Alles Gepäck eingecheckt, die Sicherheitskontrollen passiert. Nichts mehr zu tun als auf Flüge zu warten, Leute zu betrachten, abgepacktes Flugzeugessen zu geniessen.
Der Weg hierher war nochmal schwer, den zu guter Letzt haben sich noch einmal Parasiten in meinen Magen-Darm-Trakt eingeschlichen und mir die Nacht zur Hölle gemacht. Mit Mitternachtslieferung habe ich mir wieder Mal Secnidazol gegönnt, die Nacht nicht geschlafen, sondern ständig zum Klo gerannt. Der Taxifahrer um 4.00 hatte leider kein Wechselgeld, also haben wir zusammen Taxis angehalten, von denen erst nach einer halben Stunde jemand wechseln konnte. Das System am Check-in-Schalter war zusammen gebrochen, sodass ich von einem Bein auf das andere wippend eine Stunde angestanden habe, bevor ich wieder aufs Klo rennen konnte. Eine weitere Dosis Secnidazol habe ich mit meinen letzten Pesos gekauft, was auf den Cent gereicht hat.
Und nun sitze ich da. Vollkommen verstrahlt, übermüdet, mit grummelndem Magen, unfähig den Moment zu realisieren.
Wenn mich jemand fragen würde, wie ‚ich es fand‘, würde ich vermutlich antworten: ich habe es geliebt und gehasst. Beides. Manchmal innerhalb weniger Sekunden, manchmal gleichzeitig. Südamerika war ’ne Nummer. Alleine reisen ist eine der beängstigenden, verücktesten und befreiendsten Dinge, die ich je gemacht habe. Meine Güte, was ich alles erleben durfte! Was für Menschen ich kennengelernt, was für Erfahrungen ich gemacht und was für Momente ich durchlebt habe!
Noch emotionaler als normalerweise lässt sich das alles schwer einordnen, und ich habe keine Ahnung was mich nach fast einem halben Jahr in der Ferne in ‚meiner Welt‘ erwartet. Nun ja, eigentlich weiss ich es. All das Vertraute, was ich so oft herbeigesehnt habe. Alle Menschen, die mir auf Distanz noch viel mehr ans Herz gewachsen sind. Alles was ich kenne, von dem ich weiss wie es abläuft.
Das Kapitel Südamerika ist vorerst zuende.
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