Setteling in

Über das Wochenende bin ich nach Melbourne gefahren, was von Geelong nur eine gute Stunde ist.
Samstag morgen habe ich Marc und Halil wieder getroffen, die ich seit sechs Jahren nicht mehr gesehen habe. Wir waren im Café, weil die beiden auch Zee wieder sehen wollten.
Witzigerweise sind wir ein wenig Spazieren gegangen und haben Nic in seiner Holzboot Werft besucht.
Ich war noch mit Eran für das Café bei einem Großmarkt und am Abend habe ich Julius (aus München) Freundin Anya getroffen, die in Melbourne lebt.
Es hat ziemlich dolle geregnet, wogegen hier niemand gewappnet zu sein scheint.

Sonntags habe ich mit einer alten Freundin, ihrem Freund und ihrer schwedischen Mitbewohnerin einen Ausflug in die Dandenong Ranges gemacht, eine Gegend nordöstlich von Melbourne. Wir sind durch Shops, botanische Gärten und Parks flaniert und haben es uns gut gehen lassen. Es ist wirklich schön da draussen!

Am Abend war ich mit Levi in Geelong noch in Rocketman, dem Film über Elton John.

Anfang der Woche konnte ich bei einer coolen OP assistieren und dabei die Eingeweide des Patienten halten. Aha, okay.
Ich habe außerdem den Tip erhalten, mir ein bisschen die Gegend anzusehen und nicht jeden Tag immer da zu sein: also quasi einen Freifahrtschein, mir auch Mal frei zu nehmen.
Hier ist halt auch im Krankenhaus alles entspannter…

Geelong Hospital

Meine Couchsurf-Gelegenheit entpuppt sich als wahrer Glücksgriff – die richtige Mischung zwischen Privatsphäre und einem Monat umsonst wohnen und wenigstens ein bisschen Anschluss.
Levi selbst ist Rettungssanitäter und arbeitet ziemlich viel, sodass ich an meinem ersten Tag in Geelong in der herbstlichen Sonne alleine die Stadt unsicher gemacht habe. Die ‚Waterfront‘ von Geelong ist ganz nett zum flanieren und auch der botanische Garten kann sich sehen lassen…
Ich bin noch ein bisschen durch Geschäfte gebummelt (hier hat ja auch sonntags alles offen) und ein wenig am Wasser gelesen. Hätte ich ein Auto, wäre ich sicherlich ans Meer zum surfen gefahren.
Irgendwie komisch, dass es mir so schwer fällt mich selbst zu beschäftigen…

Montag war dann mein erster Tag im Krankenhaus. Alles sehr verwirrend und viel – sowohl sprachlich als auch medizinisch leichte Überforderung.
Allerdings geben sich alle echt Mühe und sind super lieb. Hatte ja fast nichts anderes erwartet vom Land der Sonnenscheine.
Die ganze Woche über habe ich also versucht, mich zurechtzufinden und ein bisschen Übersicht zu bekommen, was ich so alles machen darf/kann/muss und dabei mein Bestes gegeben, nicht andauernd verloren zu gehen. Ich durfte außerdem eine Nadel bei einer der Interns (entspricht einem Assistenzarzt) legen und habe ein paar Studenten-Kurse für Nähen sowie Vorträge besucht, wo ich auch ein paar andere Studenten kennen gelernt habe.
Außer dem frühen Start um 7 ist hier doch alles etwas entspannter als in deutschen Krankenhäusern.

Mit Levi habe ich sowohl einige Nintendo 64 als auch Switch Turniere ausgetragen, Dienstag waren wir bei ‚Pint of Science‘ -semi wissenschaftliche Vorträge mit Bier in einer lokalen Brauerei. Mein Brett ist mittlerweile beim Ding-Repair aber ich war leider nicht nochmal am geschweige denn im Meer.
Für das Wochenende werde ich nach Melbourne fahren und noch ein paar Leute treffen, die ich seit 6 Jahren nicht mehr gesehen habe…

Ich bin also noch ein bisschen in der Eingewöhnungsphase, aber zuversichtlich, dass ich mich einleben werde.

En route to the ocean

Nach einer kleinen Runde durch Melbourne mit den wohl besten Croissants, sind Bex, ihre Freundin und ich Richtung Meer gefahren und haben unsere Sachen in dem Haus in Jan Juc abgestellt, aus dem Bex und James jetzt ausziehen.
Dann sind wir direkt Mal bei untergehender Sonne surfen gegangen. Es ist wirklich beeindruckend schön hier. Noch viel beeindruckender ist es allerdings, wie normal das Meer, die Wellen und das Surfen für die Leute hier sind. Es ist ein bisschen wie schnell eben eine Runde Joggen gehen…
Am Abend haben wir noch gekocht, Monopoly gespielt und mit den Mitbewohnern gequatscht.
Heute ging es nach einer Portion Porridge (classy) ans Meer und direkt in die Wellen.
Es hat Mal wieder wahnsinnig viel Spaß gemacht. Leider wurde ich überfahren und jetzt muss meine Board erstmal zum Doktor…
Wir drei Mädels haben einen kleinen Spaziergang durch eine Schlangen-Brut-Gegend gemacht, die allerdings eher gerade Winterschlaf halten. Die Aussicht aufs Meer war überragend.
Nach Zusammenkunft mit James und Pizza am Meer haben wir die letzten Sachen der zwei in einen Umzugswagen geladen und sie haben mich nach Geelong zu meiner Couchsurf-Gelegenheit gebracht.
Ich bin ein wenig verunsichert, wie die nächsten Wochen werden, muss mich noch ganz schön viel orientieren und bin manchmal ein bisschen verloren. Außerdem sollte ich unbedingt mein Englisch weiter trainieren, es scheint etwas eingerostet…

Melbourne Part I

Glücklicherweise kam mein Gepäck in einem Stück, wie gewünscht an und ich habe auch James schnell gefunden, der mich netterweise vom Bahnhof abgeholt hat.
Ich habe erstmal ausgeschlafen und dann bin ich losgezogen und hab einige Erledigung -wie zum Beispiel eine neue Simcard zu besorgen – gemacht.
Ich habe im Anschluss noch einen Freund auf ein Bier bei seiner Arbeit getroffen und mit Bex und James gekocht.
Insgesamt bin also einfach Mal 20 Kilometer durch die Gegend gelaufen, was in Melbourne doch recht schnell zusammenkommt.
Mittwochs bin ich dann tatsächlich nach 6 Jahren Mal wieder zu meinem ehemaligen Job im Café gelaufen und bei der Wanderung durch die altbekannte Gegend hab ich mich ganz komisch gefühlt: alles seltsam vertraut und doch so anders. Auch die noch so vertrautesten Wege haben sich irgendwie verändert.
Besonders das Hafenviertel ‚Docklands‘, was ‚damals‘ noch eine einzige Baustelle war ist inzwischen voll mit Hochhäusern und Restaurants.
Ich war gefühlt ewig bei meiner alten Chefin im Café und wir haben viel gequatscht. Zee und Eran haben mich direkt zum Abendessen am nächsten Tag eingeladen.
Ich habe noch schnell eine Joggingrunde mit Bex durch den Albert Park gedreht, wo um Ostern rum immer das Formel 1 rennen stattfindet, auf dem ich auch schon Sebastian Vettel getroffen habe.
Am Abend bin ich dann noch mit Luke zu einem Freund in die weiteren Vororte von Melbourne zu einem Bandkollegen gefahren, wo es überhaupt nicht mehr nach Stadt aussieht, sondern sehr wir australisches Land: Grüne Bäume, Briefkästen an der Strasse mit langen Einfahrten, Feuerstellen im Garten, hügelige Weiten mit wunderschönem Blick.
Ich habe neben mehreren kleinen Privatkonzerten und einem Sneak-Preview des neuen Albums auch ein bisschen Gitarrenunterricht bekommen 😀
Den nächsten Tag habe ich mit Bex und ihrer Freundin aus Neuseeland verbracht: durch die Stadt streunern, South Melbourne Market, Kaffee hier, Snacks da.
Zum Glück war Mal wieder die Sonne draussen, sodass wir einfach viel durch die Gegend gelaufen sind.
Am Abend bin ich dann zu Zee und Eran zum Abendessen, war wirklich schön, Mal wieder mit den Zweien abzuhängen.

Ein holpriger Start ins Abenteuer

Dezent nervös -jedenfalls witzigerweise nervöser als vor meinem jüngst zurück liegenden Staatsexamen- hat meine Mama mich mit meinem treuen Backpack und einer vollgepackten Surfbag in Frankfurt am Flughafen abgeliefert.
Leider wurde ich direkt am Schalter von Emirates schon ein bisschen in Aufregung versetzt.
Es stellte sich also heraus, dass das „freie Sportgepäck“ nur zusammen mit dem normalen Gepäck 25kg wiegen darf, sodass ich direkt Umpacken durfte, ein paar Sachen am Flughafen lassen durfte und mein Handgepäck aufgestockt habe (denn das wiegt ja keiner!).
Nach etwas Stress aber sehr freundlichem Personal, dass dann auch noch zwei Augen zudrückte durfte ich also doch alles mitnehmen.
In Dubai wollte man mir dann noch meine Leash abnehmen (die ja nur wegen meiner umpack-action überhaupt in meinem Handgepäck gelandet war), weil ich ja potentiell jemanden damit strangulieren könnte.
Weil ich mich aber doch recht wortgewandt dagegen gewehrt habe und die Dame am Sicherheitscheck glaube ich auch einfach keine Lust auf Diskussionen um 1 Uhr nachts hatte, durfte ich aber wieder alles mitnehmen, was ich wollte.
Und jetzt sitze ich bei 31° Außentemperatur im Alpaca-Pullover am sehr großzügig klimatisierten Flughafen in Dubai und warte auf meinen Anschluss nach Melbourne.
Ich glaube, ich habe meinen Schal verloren. Und ich hoffe, mein Gepäck kommt vollständig und im Fall meiner Surfbretter in einem Stück/heile in Australien an.
Hat ja schließlich niemand gesagt, dass solche Abenteuer einfach werden…