Hoch die Hände – Wochenende!

Nach israelischem Abendessen haben wir uns mit ein paar anderen zum ‚Kaboum‘ (Kartenspiel) spielen verabredet, danach ging es irgendwann durch die Clubs der Stadt, die alle mit ‚free drinks‘ locken. Es war eine lange und feierwütige Nacht, dementsprechend ruhig ging es am Samstag zu. Nach Mittagessen im vermutlich besten Restaurant der Stadt aka Green Point mussten wir Ben leider schon wieder ein neues Handy besorgen, denn die letzte Nacht hatte es nicht überstanden.
Ich habe mir den Salkatantrail für übernächste Woche gebucht, ein paar kleinere Besorgungen gemacht und dann kam der Abschied. Nicht nur durch die grenzenlose Müdigkeit und damit emotionale Anfälligkeit bedingt, sondern auch weil ich meine kleine Reisefamilie gehen lassen muss, die alles ein bisschen besser und vieles ein bisschen weniger schlimm gemacht hat, hat mich krasses Heimweh übermannt. Der. Abschied war seltsam kurz und unpersönlich, damit ich schnell weggehen konnte und garnicht erst in Gefahr kam, mit Tränen durch Cusco zu laufen.
Ich habe mich ins Colectivo gesetzt und dort witzigerweise zwei Freiwillige getroffen. Das war auch ganz gut soweit, denn das doofe Ding fuhr ewig nicht los, in der Hoffnung auch die letzten Plätze noch zu füllen. Im Dunkeln ging es dann über die super kurvige Straße nach Urubamba. Unterwegs beschlich uns dann leider der Verdacht, das der Fahrer nicht ganz auf de Höhe seiner geistigen Fähigkeiten war. Nachdem der ganze Bus ihn aber angeschrien hat, war er dann auch wieder wach.
Meine lieben Mitbewohner hatten Suppe gekocht und davon habe ich profitiert. Mehr ging an dem Abend wirklich nicht mehr.
Heute frühs habe ich mich in den Bus nach Pisaq gesetzt, um den dortigen Markt zu erkunden. Man hat direkt versucht in dem Bus, in den der Fahrer nicht selten während der Fahrt Öl nachfüllt und durch dessen Löcher im Boden man die holprige Strasse sehen kann, mir den Touristen-Preis zu berechnen. Aber nicht mit mir!
Alleine in Pisaq bin ich dann doch ein bisschen in Shoppingrausch geraten und habe einige Geschenke für die Lieben daheim gekauft.
Peru’s Märkte bieten mit ihren farbenfrohen Kunstwerken jeglicher Art einfach so viel! Am liebsten würde ich alles kaufen, aber dann bräuchte ich mindestens noch ein Lama, was den ganzen Kram trägt, und die sind weder im Bus noch in Hostels erlaubt. Außerdem bin ich Zeuge einer peruanischen Hochzeit geworden. Das ganze Dorf in kompletter Tracht dabei und als die Süßigkeiten geworfen wurden haben die sich bald geschlagen. Auch für mich als leicht überforderten Bestehenden gab es Sammel-Postkarten, die anschließend anscheinend getauscht werden.
Den restlichen Sonntag werde ich ruhig mit einigem Organisationskram und einer Joggingrunde auf 3000m verbringen.
Let the oxigen flow!

Urubamba, Woche 1

Am Abend meines Ankunftstags haben wir zusammen gekocht. Wir -das sind Rebekka, Judith und Tim, meine Mitbewohner sowie Martina (eine Zahnärztin, die am nächsten Tag abgereist ist). Generell herrscht in dem wunderschönen Haus am Rande Urubambas ein Kommen und Gehen, meistens allerfeinste Sahnelaune und es wird sich gut um mich gekümmert (:
Montags habe ich das Büro kennengelernt und war Nachmittags im Kinderdorf Munaychay, ein wirklich tolles Projekt, bei dem Kindern aus üblen Verhältnissen ein neues Zuhause gegeben wird. Dort habe ich mit einer Freiwilligen genäht, weniger medizinisch aber auch spaßig.
Dienstags war ich im Gesundheitszentrum von Huilloc mit dabei. Dabei handelt es sich um ein kleines Häuschen in einem kleinen Dorf, wo den sonst von der Welt sehr abgeschnittenen Einheimischen kostenlose medizinische Versorgung angeboten wird. Mit dem Autobus fährt man fast eine Stunde dorthin. Die Patienten kommen meist mit kunterbunten Ponchos oder Röcken bekleidet, zuckersüße Kinder tragend, um ihre Symptome vorzutragen. Die körperliche Untersuchung mangels technischer Geräte super wichtig hier und das Standartrezept beinhaltet ein Antibiotikum und Paracetamol in vergleichsweise homöopatischen Dosen. Das Behandlungszimmer ist ein staubiger, kalter und winziger Raum ohne Schnickschnack.
Schulkinder werden vor einer Reise abgehorcht um auszuschließen, das sie bei ihrer Rückkehr in derartige Höhen irgendwelche Beschwerden bekommen.
Der behandelnde Arzt nimmt sich tatsächlich Zeit mit mir ein paar Basics durchzugehen.
Mittwochs habe ich etwas Zeit für mich selbst, bevor ich wieder im Kinderdorf Kissen nähen helfe.
Meine Mitbewohner versuchen, wie bei jedem Neuling mir einen Schrecken einzujagen, indem sie vor Abendessen Ausdruckstanz im Garten praktizieren. Sieht witzig aus, und da ich den Witz ziemlich direkt durchschaue kann ich die allabendliche Show ohne Kopfschütteln genießen.
Donnerstags ist wieder Huilloc-Tag.
Es kommen leider kaum Patienten und deshalb beschließe ich mit Rebekka und Tim von Huilloc durchs wunderschöne heilige Tal nach Hause zu laufen.
Seit Tagen rumort mein Bauch und meine Verdauung macht witzige Sachen. Auf der Wanderung, bei der wir uns schrecklich verlaufen aber dafür ziemlich coole alte Ruinen finden, gipfelt sich mein Krankheitsgefühl.
Irgendwie schlagen wir uns querfeldein die Böschung runter bis zur Straße, halten einen Pickup an und fahren auf dessen Ladefläche bis nach Ollayatambo, ein touristisches Dörfchen.
Von dort aus gehen wieder Collektivos nach Urubamba.
Ich schaffe es noch gerade so ein paar Einkäufe zu machen und eine Stuhlprobe für einen Parasitentest abzugeben bevor ich völlig erschöpft in mein Bett falle.
Eine Stunde später steht fest: ich habe mit durch die hohe Wasserqualität in Urubamba direkt mal Störenfriede eingefangen. Etwa 30 Euro und 10 Minuten später halte ich mein Antiparasitenmittel in den Händen (das mit verschrieben Breitbandantibiotikum spare ich mir). Schnell runter schlucken, um alles Lebendige in mir zu töten! Da am Abend bei uns in Tims Geburtstag rein gefeiert werden soll, bereite ich Kuchen und Stockbrot vor, schlafe wieder zwei Stunden und setze mich dann ans Lagerfeuer. Mein Magen lässt mittlerweile wieder Stockbrot mit geschmolzener Schokolade zu, und wieder einmal fällt mir auf, wie nett hier alle sind!
Rebekka hat heute morgen trotz langer Nacht ein wunderbares Frühstücksbuffet gezaubert, ganz zu Tims Ehren, der darauf schwört, gerade erst volljährig geworden zu sein (in Wirklichkeit bewegt er sich in meiner Altersgruppe).
Zusammen mit ein paar Freiwilligen, die die Nacht aus logistischen Gründen verstreut in unserem Haus verbracht haben, begehen wir den Morgen. Am Nachmittag treffen sich ein Paar Leute von ‚Corazones Para Peru‘ im Büro und feiern nochmal 23 Jahre Tim. Peruanischer Brauch ist es, dem Geburtstagskind erst ein Ständchen zu bringen (etwas mehr Elan als das klassische Happy Birthday!), dann die Kerzen auszupusten und wenn das Ehrenkind dann versucht von der Torte abzubeissen, seinen Kopf in die Sahne zu drücken.
Mit verschmiertem Gesicht haben wir dann alle zusammen sehr zuckrigen Kuchen genossen.
Jetzt befinde ich mich im Collektivo nach Cusco, wo ich mich endgültig von Ben und Eric verabschieden muss 🙁

Ayahuasca

Angeline ist mit den Nachbus nach Arequipa weiter gefahren, sodass ich sie vermutlich auf dieser Reise nicht mehr sehen werde (was ich wirklich wirklich schade finde).
Ben und ich sind mir endlich ein Handy kaufen gegangen, leider für ein Schweinegeld. Außerdem durften wir bei dem Versuch, eine Simkarte in sein gebraucht erworbenes Handy einzulegen, feststellen, das es offensichtlich geklaut ist. Aber hey, als Gauner kennt man sich aus und holt schnell Hilfe bei seinen Gaunerkumpels, sodass es letztendlich doch irgendwie funktioniert hat.
Außerdem haben wir an einer Ayahuascar-Zeremonie mit Schamanen etc teilgenommen, die über Nacht ging. Sehr interessante Erfahrung aber einmal ist definitiv genug.
Heute früh sind wir super müde wieder in die Stadt zurück gekehrt. Wir haben im meiner Meinung nach besten Restaurant der Stadt gegessen, unsere Taschen gepackt und jetzt sitze ich im klapprigen Bus nach Urubamba. Die Jungs starten morgen einen Vier-Tages-Hike, den ich so gerne mit ihnen gemacht hätte, aber ich bin auch etwas gespannt, was mich bei meinem Praktikum erwartet.

Rainbow Mountains

Um 3.00 klingelte der Wecker und angesichts des strömenden Regens draussen hätten wir uns alle lieber nochmal umgedreht. Stattdessen haben wir (Ben, Daniel, Angeline und ich) uns wanderfertig gemacht und in den Regen gestellt, bereit zur Abholung. Natürlich kam der abs zu spät und die drei Stunden Fahrt bis zum Frühstücksstopp haben fast alle geschlafen. Dann wurden wir zusammen mit gefühlt hundert anderen Minivans zum Startpunkt des Hikes gebracht, ausgespuckt und los ging es. Die Landschaft war wie immer überragend, aber das Wetter war mit Regen, Graupel und Wind nicht ganz auf unserer Seite.
Der Aufstieg auf 5000m war sehr gut besucht, es wurden Pferde angeboten und gerade gegen Ende kam man immer mehr außer Puste.
Die Rainbow Mountains haben ihren Namen erhalten, weil sich verschiedene Gesteinsschichten aufeinander gelagert haben und den Bergen eine bunte Farbe geben.
Allerdings wurde der Gipfel von dicken Wolken verdeckt, sodass man quasi nichts davon sehen konnte. Wir haben zufällig Chris, Mario und Alex wieder getroffen und sind recht schnell wieder herabgestiegen, weil das Wetter mit hintergündlichem Donnergrollen immer ungemütlicher wurde.
Die letzten Kilometer waren sehr nass und wurden durch Schlammlachen zu einer Schlitterpartie hoch zehn.
Völligst ausgehungert haben wir gegen Nachmittag unser Mittagessen erhalten und dann ging es per höchst unterhaltsamen Busfahrt (Angeline hat mir auf den holprigen Strassen einen Hairwrap gezaubert) zurück nach Cusco.

Cusco, Part 2

Donnerstag haben wir uns nochmal mit Angeline, die quasi ein Local ist, auf den Markt el Paraiso (Schwarzmarkt für Elektronik) begeben, leider erfolglos.
Mittags bin ich dann mit dem Colectivo nach Urubamba, meinem Zuhause während meines anstehenden Praktikums, gefahren und habe mich mal vorgestellt, eine kleine Führung und meine Hausschlüssel erhalten. Alle, die ich kennenlernen durfte waren sehr nett!
Etwas später als gedacht kam ich dann wieder in Cusco an, wo Erik und sein neuer Mitreisender Brandon (CAN) uns wieder getroffen haben. Wir haben eine Babykatze auf dem Weg zum Abendessen gefunden, die wir dem Hostel untergejubelt haben.
Besonders alt ist an diesem Abend keiner geworden, denn am nächsten Morgen mussten wir um 3.00 wieder raus.