Am Abend meines Ankunftstags haben wir zusammen gekocht. Wir -das sind Rebekka, Judith und Tim, meine Mitbewohner sowie Martina (eine Zahnärztin, die am nächsten Tag abgereist ist). Generell herrscht in dem wunderschönen Haus am Rande Urubambas ein Kommen und Gehen, meistens allerfeinste Sahnelaune und es wird sich gut um mich gekümmert (:
Montags habe ich das Büro kennengelernt und war Nachmittags im Kinderdorf Munaychay, ein wirklich tolles Projekt, bei dem Kindern aus üblen Verhältnissen ein neues Zuhause gegeben wird. Dort habe ich mit einer Freiwilligen genäht, weniger medizinisch aber auch spaßig.
Dienstags war ich im Gesundheitszentrum von Huilloc mit dabei. Dabei handelt es sich um ein kleines Häuschen in einem kleinen Dorf, wo den sonst von der Welt sehr abgeschnittenen Einheimischen kostenlose medizinische Versorgung angeboten wird. Mit dem Autobus fährt man fast eine Stunde dorthin. Die Patienten kommen meist mit kunterbunten Ponchos oder Röcken bekleidet, zuckersüße Kinder tragend, um ihre Symptome vorzutragen. Die körperliche Untersuchung mangels technischer Geräte super wichtig hier und das Standartrezept beinhaltet ein Antibiotikum und Paracetamol in vergleichsweise homöopatischen Dosen. Das Behandlungszimmer ist ein staubiger, kalter und winziger Raum ohne Schnickschnack.
Schulkinder werden vor einer Reise abgehorcht um auszuschließen, das sie bei ihrer Rückkehr in derartige Höhen irgendwelche Beschwerden bekommen.
Der behandelnde Arzt nimmt sich tatsächlich Zeit mit mir ein paar Basics durchzugehen.
Mittwochs habe ich etwas Zeit für mich selbst, bevor ich wieder im Kinderdorf Kissen nähen helfe.
Meine Mitbewohner versuchen, wie bei jedem Neuling mir einen Schrecken einzujagen, indem sie vor Abendessen Ausdruckstanz im Garten praktizieren. Sieht witzig aus, und da ich den Witz ziemlich direkt durchschaue kann ich die allabendliche Show ohne Kopfschütteln genießen.
Donnerstags ist wieder Huilloc-Tag.
Es kommen leider kaum Patienten und deshalb beschließe ich mit Rebekka und Tim von Huilloc durchs wunderschöne heilige Tal nach Hause zu laufen.
Seit Tagen rumort mein Bauch und meine Verdauung macht witzige Sachen. Auf der Wanderung, bei der wir uns schrecklich verlaufen aber dafür ziemlich coole alte Ruinen finden, gipfelt sich mein Krankheitsgefühl.
Irgendwie schlagen wir uns querfeldein die Böschung runter bis zur Straße, halten einen Pickup an und fahren auf dessen Ladefläche bis nach Ollayatambo, ein touristisches Dörfchen.
Von dort aus gehen wieder Collektivos nach Urubamba.
Ich schaffe es noch gerade so ein paar Einkäufe zu machen und eine Stuhlprobe für einen Parasitentest abzugeben bevor ich völlig erschöpft in mein Bett falle.
Eine Stunde später steht fest: ich habe mit durch die hohe Wasserqualität in Urubamba direkt mal Störenfriede eingefangen. Etwa 30 Euro und 10 Minuten später halte ich mein Antiparasitenmittel in den Händen (das mit verschrieben Breitbandantibiotikum spare ich mir). Schnell runter schlucken, um alles Lebendige in mir zu töten! Da am Abend bei uns in Tims Geburtstag rein gefeiert werden soll, bereite ich Kuchen und Stockbrot vor, schlafe wieder zwei Stunden und setze mich dann ans Lagerfeuer. Mein Magen lässt mittlerweile wieder Stockbrot mit geschmolzener Schokolade zu, und wieder einmal fällt mir auf, wie nett hier alle sind!
Rebekka hat heute morgen trotz langer Nacht ein wunderbares Frühstücksbuffet gezaubert, ganz zu Tims Ehren, der darauf schwört, gerade erst volljährig geworden zu sein (in Wirklichkeit bewegt er sich in meiner Altersgruppe).
Zusammen mit ein paar Freiwilligen, die die Nacht aus logistischen Gründen verstreut in unserem Haus verbracht haben, begehen wir den Morgen. Am Nachmittag treffen sich ein Paar Leute von ‚Corazones Para Peru‘ im Büro und feiern nochmal 23 Jahre Tim. Peruanischer Brauch ist es, dem Geburtstagskind erst ein Ständchen zu bringen (etwas mehr Elan als das klassische Happy Birthday!), dann die Kerzen auszupusten und wenn das Ehrenkind dann versucht von der Torte abzubeissen, seinen Kopf in die Sahne zu drücken.
Mit verschmiertem Gesicht haben wir dann alle zusammen sehr zuckrigen Kuchen genossen.
Jetzt befinde ich mich im Collektivo nach Cusco, wo ich mich endgültig von Ben und Eric verabschieden muss 🙁