Rescue Action

Der versprochene Jeep war natürlich mit mehr bepackt als uns lieb war. Dann hat er eine kurvige und holprige Route aus der Stadt genommen, die uns kilometerlang über die Müllhalde Uyunis geführt hat. Und mit Müllhalde meine ich leider eigentlich Feld, was aber übersät war mir allerlei Abfall. Schlimm, das es solche Orte gibt! Es scheint, als würde es niemanden kümmern.
Nachdem wir ca. eine Stunde durch die Pampa -über Stock und Stein, Knochen und Müll- gefahren sind (mittlerweile sind wir drei Jeeps) halten wir. Der vermeintliche Ausweg ist ebenfalls blockiert. Was nun? Als die Fahrer beschließen ihr Glück zu versuchen und weiter fahren kommt plötzlich eine Horde aufgeregter Demonstranten auf uns zugerannt, vielleicht bewaffnet mit Steinen. Die Jeeps machen einen hektischen U-Turn und fahren wieder in die andere Richtung. Die Stimmung im Auto wirkt leicht hysterisch und ich persönlich bekomme es wirklich mit der Angst zu tun.
Die Fahrer kennen zum Glück noch einen anderen Weg, bei dem noch nicht so ganz klar ist, ob das Benzin reicht. Also geht die zweistündige Tour durch die Wüste los, hinauf und hinab, Hut ab vor diesen Autos!
Nachdem wir uns noch einmal zusätzlich verfahren kommen wir irgendwann an der asphaltierten Straße an -zum Glück auf der richtigen Seite der Blockade. Der Jubel ist groß, der Fahrer wird umarmt und von nun an geht es mit etwas mehr km/h Richtung Potosi, von wo aus wir weiter nach Sucre fahren wollen.
Nach schier endloser Fahrt kommen wir in Potosi an, kaufen uns ein Sandwich und steigen in das nächste Autotaxi Richtung Sucre. Unterwegs fahren wir unter einem Regenbogen durch -vielleicht ein Zeichen?
Die Fahrt war mehr als ereignisreich und auch leider viel teuer als normal, aber wir haben es geschafft.
Heute Abend wird auf jeden Fall schön diniert!

Gegangen in Uyuni

Die Chance des Morgens hat sich als falsch heraus gestellt, die Situation hat sich über Nacht verschärft.
Es ist nicht so als seien wir akut bedroht aber es ist kein gutes Gefühl, so eingesperrt zu sein.
Aber Bolivien wäre nicht Bolivien wenn es nicht aus der Not von Leuten (besonders Touristen) Geld machen würde. Also haben wir soeben einen Jeep bezahlt, der uns um 10 in einer Szene, die für einen schlechten Actionfilm spricht, durch die Wüste aus der Stadt bringen soll.
Mal sehen…

Salinar de Uyuni

Tag 1
Um 5.30 sind wir dann übermüdet aus dem Bus gepurzelt, direkt in die Arme von tausenden Touranbietern. Viel mehr gibt es hier auch nicht: Restaurants und Touranbieter. Dann mussten wir leider feststellen, das wir umgerechnet ca. 30 Euro zu viel bezahlt haben. Wieder mal Lehrgeld bezahlt. Da Sanna krank war (Diagnose: Parasiten) und wir alle unfassbar müde gab es wieder den ein oder anderen emotionalen Moment und ich habe mich ehrlich nach Hause gewünscht.
Nach ein bisschen Zeit totschlagen und Sanna mein Antiparasitenmittel einflößen, ging es dann über den Zugfriedhof (alte rostige Züge, die zu coolen Shootings einladen) im Jeep Richtung Salzwüste.
Erster Stop: Blubbernde Pfützen, die vermutlich durch vulkanische Aktivität entstanden sind.
Dann konnten wir in der Wüste allerlei Bilder machen, darunter natürlich Klassiker, die mit der Perspektive spielen.
Diese Salzwüste ist wirklich abgefahren. Sie endet gefühlt nie und wenn man über das knirschende Salz läuft könnte man sich fast in den Skiurlaub träumen.
Nach dem Lunch auf einem Touristenmarkt haben wir uns noch ein wenig in den endlosen weißen Weiten verloren und dann eine Steininsel in mitten des Nichts besucht, auf der riesige Kakteen wachsen. Die Sonne ballert hier so richtig und erst als sie hinter grauen Wolken verschwindet setzt sie versprochene Kälte ein.
Immer noch durchs weiße Nichts ging es dann mit Zwischenstopp an den Salzblöcken, mit denen man seinen Namen bauen konnte, bis zu unserem Hostel, das -wie sollte es anders sein- komplett aus Salz gebaut ist.
Eline und ich haben sich ewig mit den zwei Kolumbianern unterhalten, die in unserer Gruppe sind und jede Menge Insidertipps erhalten.
Leider wurden wir mal wieder etwas abgezogen, denn die Dusche, die uns angepriesen wurde mussten wir hinterher doch bezahlen. Hidden costs, Hallo!
Außerdem hat unser Guide uns mitgeteilt, das sich Uyuni ab sofort im Streik befindet und dort keinerlei Autos, Busse oder sonstiges fährt. Wir müssen also hoffen, das wir am Dienstag mit dem Nachtbus die Stadt überhaupt verlassen können. Alles andere wäre echt bescheiden…
Der Sternenhimmel hier draußen ist natürlich unvergleichlich!

Tag 2
Nach zuckerreichem Frühstück haben wir grummelig unsere Dusche vom Vortag bezahlt und sind mit bolivianischer Verspätung aufgebrochen. Mit dem Jeep ging es über jede Menge holprige Schotterpisten durch steppenartige Landschaft. Immer mal wieder ein Stop, mal mit Schafen, mal mit Lamas, mal mit Flamingos. Gegen Mittag sind wir durch die ‚Stadt der Steine‘ flaniert, coole Felsen die einfach so plötzlich in der Landschaft auftauchen. Nach Lunch aus dem Auto raus ging es dann durch eine Steinwüste Richtung Nationalpark ‚Eduardo Avaroa‘. Wir sind an der pinken Laguna Colorada vorbei gescheppert und gerade als mal wieder alle in den Schlaf gerüttelt waren haben wir an den Hot Springs gehalten. Ein kleines Becken, nicht der Rede wert.
Eine weitere Stunde im Auto und uns beschleicht das Gefühl wir hätten uns besser über die Tour informieren sollen. Denn in Bolivien bekommt man leider nur selten genügend Infos…
Nachdem wir uns durch den Staub gekämpft haben und unsere Popos schon ganz platt gesessen sind haben wir noch kurz die Laguna Verde an der chilenischen Grenze gesehen. Leider auch nicht so spektakulär wie erwartet…
Die Landschaft ist allerdings hübsch anzusehen.
Auf dem Weg zum Nachtrefugium haben wir noch den für heute aufregendsten Stop gemacht: den nach faulen Eiern stinkenden Geysir. Da er ständig seine Richtung ändert wurden wir beim Versuch Fotos zu machen mehr als nur einmal komplett eingenebelt! Mit 5000 m über dem Meeresspiegel ist er auch der höchste Punkt der Tour. Abends wurden wir wieder mit simplen Essen und Keksen abgespeist und nach ein paar Runden Karten sind wir dann auch ins Bett gegangen.

Tag 3
Nach der Nacht im schäbigsten Hostel weit und breit fiel das Frühstück wieder gewohnt zuckrig aus, was man wirklich merkt wenn man sich direkt danach in ein ruckliges Auto steigt.
In der Morgensonne haben wir an der Laguna Colorada gehalten. Rosa und glitzernd, mit Flamingos gespickt war das eine sehr schöne Art und Weise den Morgen zu beginnen.
An rötlich gestreiften Bergen vorbei ging es über Geröll und Staub zu einer Ansammlung von Felsen, von denen einer wie ein Baum geformt ist.
Wieder Auto fahren mit Stop an einem Salzsee mit Straußen und noch mehr Felsen… Noch immer ist die Situation in Uyuni nicht geklärt und es kann gut sein, das wir 17 km in die Stadt laufen müssen und heute nicht mit dem Nachtbus weiter können.
Der Lunchstop an der Laguna Negra viel mal wieder recht basic aus. Das ging es weiter zu einer kleinen Stadt, wo wir erfahren haben, das wir zumindest nach Uyuni rein können (Schleichwege etc.) aber die Wahrscheinlichkeit auf einen Nachtbus verschwindend gering ist…
Es folgt eine Actionfilm-würdige Szene, in der sämtlich 4×4 Jeeps im Affentempo, den Sand aufwirbelnd, Wege in die Stadt suchen. Dort angekommen stellen wir nach einigem Hin und Her fest, das es für uns leider kein Weiterkommen gibt. Nach weiterer Warterei beschließen Hanna und Sanna zurück nach La Paz zu fahren (die einzige Möglichkeit aus Uyuni heraus zu kommen). Eline und ich hoffen weiter auf den ersten Bus nach Potosi morgen früh…

La Paz, erster Teil

Nach Ausschlafen und Pancake-all-you-can-eat-Frühstück haben wir uns auf eigene Faust in boliviens Hauptstadt umgesehen. Wir haben eine Shopping-Strasse entdeckt, auf die wir bestimmt später nochmal zurück kommen werden, haben den Hexenmarkt besucht (allerlei Grusel wie Lamaembryos und allerlei Wundermittel) und sind sonst noch durch jede Menge Strassen gestreift. Irgendwo dazwischen hat leider jemand versucht meinen juten Jutebeutel aufzuschlitzen (La Paz ist ein diebisches Pflaster), sodass er jetzt eine Piratennarbe trägt. Zum Glück ist nichts weggekommen und ich verstehe es als Warnung.
Durch Zufall haben wir Leute wieder getroffen, die mit uns im Colca Canyon waren. Wir haben uns verabredet am Nachmittag mit der Seilbahn auf einen der unzähligen Hügel zu fahren. Die Aussicht war überragend und wenn man bedenkt, das diese Seilbahn eigentlich sowas wie ein öffentliches Verkehrsmittel ist, macht der Weg zur Arbeit dem ein oder anderen gleich viel mehr Spaß.
Den Abend haben wir mit Internet-Research und Planungschaos verbracht.
Am nächsten Tag ging der Vormittag auch wieder mit Flügesuche und dem ein oder anderen finnischen Nervenzusammenbruch drauf, weil die zwei jetzt doch nicht mit nach Kolumbien kommen und die Flüge nach Finnland super teuer sind. Endlich ist auch wieder Eline mit uns vereint! Wir haben uns eine Tour für Uyuni am nächsten Tag besorgt und sind anschließend als netten Ausflug noch ins Valle de la Luna (Mondtal). Dort sind super komische Gesteinsformationen zu sehen, die einen an den Mond erinnern.
Abends sind wir dann wieder mal in einen Nachtbus nach Uyuni gestiegen, der entgegen aller Erwartungen leider eher einer finnischen Sauna glich als der üblichen Eishöhle…

Copacabana und Isla del Sol

Den Tag haben wir viel im Internet und am Telefon verbracht, bis wir uns in der Nachmittagssonne an den Titikakasee getraut haben, wo wir auf einer Terrasse den See überblickend ein spätes Mittagessen genossen haben, nicht ganz ohne Probleme sich an die neue Währung zu gewöhnen. Nach Organisation für den nächsten Tag und Marktbesuch sind Sanna und ich (Hanna ist leider etwas angeschlagen) noch auf den Cerro Calvario, dem Haushügel von Copacabana hoch. Von dort war die Sicht wirklich wunderschön und wir haben im kalten Wind den Sonnenuntergang genossen.
Heute frühs haben wir kurz den Regen abgewartet und sind dann zum Bootssteg, haben Frühstück improvisiert und sind in das ungefähr langsamste Boot des Jahrtausends Richtung Isla del Sol gestiegen, das dann auch noch mit der üblichen südamerikanischen Verspätung aufgebrochen ist.
Am nördlichen Teil der Insel angekommen sind wir (nachdem wir “Wandergebühr“ für den nördlichen Teil bezahlt haben) mit aller Gemütlichkeit von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt geschlendert und haben die Schönheit der Insel aufgesogen. Gegen Mittag haben wir uns an einer Hochzeitsgesellschaft vorbei durch Ruinen zum Seeblick vorgewagt und dort unser Picknick ausgepackt. Etwas zu spät aber sehr zufrieden sind wir dann los, um die Insel von Norden nach Süden zu durchqueren.
Unterwegs wurden wir zwar immer wieder mit fantastischen Aussichten gesegnet aber leider auch mit zwei weiteren Gebühren belastet. Irgendwo unterwegs ist uns dann auch aufgefallen, das wir wirklich spät dran sind für das letzte Boot um 16.00 vom südlichen Hafen der Insel. Also haben wir die zweite Hälfte des Spaziergangs im Stechschritt und mit Zeitdruck im Nacken absolviert. Während der Norden durch reine Natur besticht, kann man im Süden viele kleine Hostels und ein süß gestaltetes Dorf sehen. Um Punkt Vier sind wir die letzten schiefen Stufen in den Hafen hinab gestolpert und haben uns auf das Sonnendeck des Boots gerettet. Dieses wiederum hat noch einen komischen Touri-Stop eingelegt und ist wieder beeindruckend langsam Richtung Copacabana geschippert. Mit Sonne im Gesicht haben wir den Titikakasee überquert, haben in unfassbarer Geschwindigkeit zu Abend gegessen und uns in den Bus nach La Paz gesetzt.
Der stressige Tag in diesem komplett umorganisierten Land (zumindest scheint es bis jetzt so) war damit noch nicht vorbei. Gerade als es fast gemütlich im Bus wurde durften wir in die Kälte aussteigen und zwei Bolivianos dafür bezahlen, mit einem Boot über einen Ausläufer des Sees zu cruisen, während der Bus in einer Pappschachtel von Fähre wahllos herumkreiselte, bis auch der letzte Passagier kalte Füße hatte und Snacks gekauft hatte. Dann ging es nochmal drei Stunden (die Hälfte davon schon durch die äußeren Teile dieser wahnsinnig riesigen Stadt) bis zum Busbahnhof.
Hostel suchen – Bett belegen! Allerdings stellt sich heraus, das das schwieriger als gedacht ist: das erste Hostel ist übertrieben teuer, das nächste lässt uns eine halbe Stunde warten, bis man sich um uns kümmert, dann ist die günstigste Option nicht mehr zu haben. Großartig!
Es bleibt nichts anderes übrig als solange unbeteiligt dabeizusitzen bis plötzlich doch billige Betten frei sind. Nach Mitternachtsdusche wird dieser verwirrende Tag im 20Bett Dorm beendet…