Huayna Potosi

Tag 1
Sonntag morgen haben wir dann zwei Frühstücke genossen und sind dann mit dem Auto Richtung Huayna Potosi (6088m) gefahren.
Im Basecamp (4700m) gab es erstmal Lunch, dann haben wir uns in unsere Ausrüstung geschmissen: Thermo-Hosen und -Jacken, Klettergeschirr, Bergstiefel, Helme, Eispickel,…
Damit ausgestattet sind wir dann ca. 1h bis zum Gletscher gelaufen, um den Umgang mit Steigeisen und Eispickel zu üben. Es war richtig anstrengend aber spannend und ich weiss noch nicht so ganz genau, ob ich die Gipfelbesteigung packe (unser Übungsplatz war auf 4900m, also nochmal deutlich niedriger). Immer mal wieder von Regen überrascht haben wir sogar an einer Steilwand das Eisklettern geübt, bevor wir wieder in unser eisekaltes Quartier, welches sehr basic gehalten ist (nicht mal ein Waschbecken) zurück gekehrt sind.
Leider ging es mir am Nachmittag wirklich nicht gut und ich habe mich stark an den Cimborazo in Ecuador erinnert gefühlt…
Im Laufe des Abends hat sich das üble Gefühl zum Glück gelegt (bis auf das ich beim Abendessen passen musste).

Tag 2
Nach fast 12h Schlaf kann ich zwar immer noch die Höhe spüren, habe aber akut keine Symptome mehr.
Allerdings geht es heute aufs höhere Camp (5130m). Es bleibt also spannend.
Nach Frühstück (ich kann wieder was essen) und verrückter Verdauung (anscheinend normal hier) haben Hanna und ich sich mal nach draussen begeben, um die Bergluft zu genießen. Um die Mittagszeit sind dann zwei weitere Gruppen eingetroffen und die traute Zweisamkeit wich dem Trubel. Nach dem Lunch haben wir unsere gesamte Ausrüstung in unsere großen Rucksäcke gepackt und den Aufstieg zum Highcamp gewagt. Das war ehrlich eines der schwersten Dinge, die ich je gerobbt habe. Mit ca. 15kg auf dem Rücken haben sich die 430 Höhenmeter bemerkbar gemacht. Schon ohne das Extragewicht wäre es schwer in diesen Höhen, aber mit haben wir gegen Ende hin alle 5 Schritte Atempausen gebraucht.
Da es anscheinend sehr unpopulär ist, am 1.1 aufzubrechen sind wir auch im Highcamp die einzigen, keine weiteren Gruppen von anderen Agenturen.
Hanna, ich und unser Guide haben uns mit Popcorn und Dinner versorgt und alles vorbereitet, was uns ab Mitternacht erwartet.
Die Sicht hier oben ist natürlich überragend!

Tag 3
Dieser Tag hat noch vor Mitternacht angefangen, weil ich eigentlich garnicht geschlafen habe: erst zu sehr gefroren, dann eine Gruppe Locals in das Refugium eingefallen…
Um Mitternacht gab es dann ‚Frühstück‘, wir haben uns in Schale geworfen und los ging es in der Dunkelheit, mit Stirnlampen bewaffnet. Nach ca. einer halben Stunde haben wir dann noch die Steigeisen angelegt und sind über den Gletscher gelaufen. Glitzernder Schnee, Sternenhimmel, absolute Stille (außer unserer Schritte), ab einer gewissen Höhe das funkelnde La Paz.
Ich habe mich fast nur aufs Atmen konzentriert und war super überrascht, keine Anzeichen von Höhenkrankheit abzubekommen. Dafür ging es leider Hanna ziemlich bald ziemlich schlecht. Sie hat sich wirklich lange durchgebissen, schon ohne Übelkeit war es anstrengend genug. Nachdem sie sich allerdings zweimal übergeben hat, haben wir bei 5700m den Rückzug angetreten. Schade, das es nicht bis zum Gipfel gereicht hat, aber auch ich war erleichtert, wieder bergab zu gehen.
Auf dem Weg zum Highcamp haben wir erstmal gesehen, welche krasse Strecke und Steigung wir zurückgelegt haben! Mit der aufgehenden Sonne wurde die Schönheit der Gegend nochmal betont.
Aus Akklimatisierierungsgründen war es uns nicht erlaubt zu schlafen, was uns super schwer gefallen ist. Dann mussten wir wieder mit unseren riesigen Backpacks -zum Glück bergab- ins Basecamp (die letzten Schritte waren grausam), wo uns die anderen Gruppen natürlich sofort gelöchert haben. Wir haben eine Weile gebraucht, die Erfahrung als positiv wahrzunehmen.
Zurück in La Paz haben wir uns mit bestem Essen versorgt (mal ehrlich, die Avocado-Sandwiches vom Markt sind zum Niederknien), endlich geduscht und die Taschen für den Nachtbus nach Cusco gepackt. Byebye, Bolivia!