Ich will nach Hause!

Habe ich gestern abend noch gedacht „Eigentlich verstehe ich mich ja doch ganz gut mit Kathryn“ und bei dem Wahnsinns-Blick über das im Dunkeln glitzernde Melbourne, das von den Gewitterblitzen eines fernen Unwetters aufgehellt wurde, sowas wie inneren Frieden verspürt, waren meine Gedanken heute abend eher „Oh mein Gott, wie sehr hasse ich es, hier zu sein. Die behandeln mich so schlecht, ich will keine Sekunde länger mehr hier bleiben. Ich will nach Hause!“
Grund dafür war eigentlich nur eine kleine Angelegenheit. Ich habe ja geplant, im März ein wenig die Great Ocean Road mit zwei Mädels, die ich noch aus der Schule kenne, zu erkunden.
Als ich mal über derartige Pläne mit meiner Gastmutter geredet habe hieß es, alles klar, kein Problem, Auto kannste auch haben.
Als ich in der letzten Zeit mal genauer klären wollte, wie es denn mit freien Tagen etc. aussieht, war sie schon eher giftig und nicht mehr halb so großzügig.
Ich habe 3 Tage rausschlagen können, die nach ihren Wünschen gelegt wurden.
Als ich heute wegen des Autos gefragt habe, ist sie ausgerastet.
Ich würde mir was rausgreifen, sowas zu verlangen. Ich war etwas missmutig, hab das aber akzeptiert.
Dann ging es aber weiter: Überhaupt soll ich das Auto nur für die Kids benutzen (vorher hieß es noch, ich kann es benutzen, für was ich will) und ich soll mal nicht so viel Geld mit den Kindern ausgeben (vorher hieß es noch, was immer es kostet, sie bezahlen es). Sie wollte schon meinen morgendlichen Plan känzeln, nachdem ich die Kids ins Aquarium mitnehmen wollte, wo ich eine Freundin treffe. Ich wäre ausgerastet, hätte ich Lydia so kurzfristig absagen müssen. Aber an sowas ist meine Gastmutter nicht interessiert.
Als ich dann noch ein paar Punkte abklären wollte, damit demnächst keine Missverständnisse (bzw. damit ich demnächst gegen Meinungsänderungen abgesichert bin), hat sie mich dann noch angekeift, ich würde total viel verlangen und sollte mal ein bisschen dankbar sein.
Da war ich also missverstanden worden, aber ich hab lieber den Schwanz eingezogen und ein paar Tränchen vergossen.
Mein Kopf war so voll von Kündigungs-Plänen und Weiterreise-Ideen.
Ich wollte einfach nur nach Hause, wo man mich mag und gescheit behandelt. Wo ich mir sicher sein kann, willkommen zu sein und nicht ausgenutzt zu werden.
Nach einer halben Stunde schwimmen war meine Laune zwar noch nicht wieder ganz hergestellt und das Problem der Planung für die Great Ocean Road nicht gelöst, aber ich konnte zumindest etwas klarer denken und handeln.
Ich habe beschlossen, der Gastmutter freundlich neutral gegenübertreten. Ich bleibe noch mindestens bis Ende März. Dann will ich weitersehen, ob ich es noch 2 weitere Monate aushalte.
Wenigstens meine liebste Arbeitskollegin, die selber kein leichtes Leben hat, hält zu mir (:
Hoffentlich darf ich morgen tatsächlich ins Aquarium.
Ich frage einfach nach garnichts mehr hier, denn sonst wird es wieder als zu dreist aufgefasst.

Eltern wieder da = Stress wieder da

Am Donnerstag Morgen waren die Eltern dann wieder da. Die Kinder haben ersteinmal ihre Abfindungs-Geschenke erhalten und auch ich wurde beschenkt.
Für den Jungen gab es einen fernsteuerbaren Lamborghini, das Mädel hat eine Barbie-Digitalkamera erhalten und ich habe 3x400gr Toblerone bekommen.
Nett gemeint, aber ich würde mich über andere Dinge mehr freuen als über Geschenke, die last minute im duty free Shop gekauft wurden. Aber ist ja lieb, dass sie auch an mich denken! (:
Die Kinder haben beide einen Haarschnitt bekommen und die Überlegung stand im Raum, wegen der erneut auftauchenden Läuse den Kindergarten zu wechseln.
Ich habe dagegen gestimmt, aber das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.
Ich arbeite weiterhin viel: Im Café bis zu 17 Stunden die Woche, wochentags 5 Stunden in der Familie und Samstags bzw. manchmal Sonntags 13 Stunden, was etwa wöchentlich mindestens 55 Stunden ergibt.
Aber ich verdiene auch etwa 2400$ (umgerechnet ca. 1900 Euro).
Allerdings macht Geld alleine nicht glücklich. Defintiv nicht.