Addis Abeba

Das Internet hatte recht: Der Flughafen hier ist ziemlich unkoordiniert.
Ich irre circa 1 h durch die Gegend bis ich finde, wonach ich suche: den transit Schalter von Ethopian Airlines.
Entgegen aller Erzählungen kostet das Tagesvisum mit Hotelvoucher leider doch eine satte Summe, aber da ich absolut keinen Bock auf 17h Flughafengehänge habe willige ich ein.
Auch die nächste Erzählung bestätigt sich: kein Fahrer weit und breit, bei genauerem Nachfragen finde ich heraus: ‚The bus just left‘.
Nunja, ich unterhalte mich mit einem Semi-Briten-Semi-Südafrikaner bis der nächste kommt und werfe mich vor ihn, um ihn zu stoppen.
Dann geht es durch die Blechlawinen echt abgewrackter Autos Richtung Hotel, was sehr pompös ‚Addis Empire‘ heisst. Nach 10 holprigen Minuten und zwei drei vermatschten Ecken (achso, das war ne Strasse, hab ich garnich gesehen!) kommen ein weiterer Passagier und ich inmitten von Baustellen im Empire an.
Da unsere Zimmer noch nicht geputzt sind werden wir auf das europäische Frühstücksbuffet verwiesen.
Nach einer netten Unterhaltung mit meinem nigerianischen Frühstücksnachbar kann ich meinen Kram ablegen und will eigentlich sofort los.
Allerdings erweisst sich das als schwieriger als gedacht, weil ‚You need taxi‘ und ich keine Freunde sind.
Ich quatsche eine Mitarbeiterin des Hotels an, die mich auf ‚Alex‘ verweist.
Nachdem ich einen überteuerten Taxifahrer abgewimmelt habe findet mich Alex, der eigentlich Salomon heißt, in irgendeinem Schlagloch auf der Straße.
Wir diskutieren kurz und einigen uns über meinen Tagesablauf und dessen Kosten. Aber hey -‚he’s like brother‘ and ‚money no problem‘.
Ich überrede ihn mich mit den Local Mini Busses überall hinzubringen, weil die super billig und witzig sind, man sie aber wirklich nur als Einheimischer benutzen kann, denn es gibt keine geregelten Stopps und man muss wissen wo man hin will.
Für ein paar Birr und jede Menge interessierte Blicke werden wir zum Ethopiam National Museum gebracht.
Alex zeigt mir alle 4 Etagen, inklusive tausender Knochenfunde, ‚Lucy‘ (ältester Skelettfund der Erde) und eingestaubten traditionellen Gegenständen und Klamotten. Wirklich nicht schlecht!
Danach machen wir einen Abstecher zum Lionpark, wo mehrere riesige Löwen und Löwinnen in winzige Käfige gepfercht sind, Knochenreste am Zaun hängen, wagemutige Zaunkonstrukionen geboten werden und auch noch ein paar andere traurige Tiere zu begucken sind.
Auch Alex findet es hier nicht besonders toll weil ‚They no happy here‘.
Zum Merkato, unserem nächsten Stopp, gibt es angeblich keinen Minibus, also muss ein Blue Taxi her, die billiger als die gelben sein sollen.
Der Mercato besteht aus tausenden kleinen Läden und wir machen ‚Windowshopping without window‘. In einzelne Lädchen schaue ich rein und bestaune unzähligen Kruschel, wahnsinnig schöne äthopische Gewänder und Kleider (es glitzert, ich muss es haben!), viel Tierhaut und viel, von dem ich garnicht einordnen kann, was es denn überhaupt sein soll?! Alex gibt sich große Mühe mit mir und beantwortet geduldig meine endlose Zahl an Fragen über Addis und Äthopien. Wenn ich meine Reise nicht gerade erst begonnen hätte wäre ich jetzt bestimmt in einem äthopischen Kleid unterwegs!
Nach zwei oder drei Heiratsanträgen auf der Strasse und tausend Schritten belohnen wir uns mit gutem äthopischen Kaffee. Dabei schaffe ich es erfogreich meine Kreditkarte zu sperren und bin immer noch ohne einen einzigen Birr in der Tasche unterwegs. Es lebe das Chaos!
Ich überrede Alex die nächste Etappe zu laufen, um das volle Leben (und davon gibt es hier bestimmt mehr als in einer deutschen Fußgängerzone) aufzusaugen: Dreck, Lärm, bunte Leute, Schuhputzer am Straßenrand, abermillionen Händler, herumspringende Kinder, klapprige Busse und Autos, seltsamerweise ab und an super moderen Hochhäuser, Schlaglöcher, Gerüche,…
Wir laufen zur AU, die African Union, ein politisches Gebäude, vor dem alle 53 afrikanischen Flaggen wehen.
Leider darf man ohne Erlaubnis nicht rein.
Dann geht es mit dem Minibus und den Knien unter dem Kinn wieder in ein anderes Viertel. Ich werde in ein verhältnismässig teuer ausschauendes Restaurant geschleift, was zugegebenermaßen aber auch echt authentisch ist: Bambussdach, niedrige Holzhocker, afrikanische Musik, Hände waschen vorm Essen. Dann kommt das ‚traditional dish‘. Mir entgegenkommend wegen der Fastenzeit absolut fleischfrei. Und verdammt viel! Es wird in einem geflochtenen Korb auf einer Platte serviert und schaut aus wie ein riesiger Pfannkuchen mit verschiedenen bunten Häufchen darauf.
Man isst mit den Fingern, reißt immer ein Stück Pfannkuchen ab und greift sich damit etwas von den Häuflein. Spitze!
Gut pikant aber super lecker!
Dazu trinkt man traditionellen Honigwein, der mir gepaart mit der äthopischen Sonne fast ein bisschen in den Kopf steigt.
Nachdem Alex aus Gastfreundschaft versucht mich zu füttern und ich bemerke wie müde ich bin, laufen wir zurück zum Hotel, ich wimmel ihn mit meinen letzten Euros ab (Kreditkarte immer noch gesperrt) und dusche erstmal den Staub ab. Nach 2h Schlaf und entsperrter Kreditkarte (Danke, Mami!) packe ich langsam zusammen. Gleich geht es zum Dinner und dann hoffentlich (!) zum Flughafen und in meinen Flieger.
Fazit des Tages bleibt eine Aussage von meinem Fremdenführer:’Our diversity is our Reunion‘

Nants ingonyama bagithi baba

Auf zu neuen Kontinenten!
Für mich ist es das erste Mal Afrika, aber „Never try- never know!“
Deshalb sind ein Tag Äthopien und gute 5 Wochen Südafrika geplant.
Am 8.3 geht es alleine von FRA aus los nach Addis Abeba, die Hauptstadt Äthopiens. Nach 17h Stopover dann wiederum nach Kappstadt, wo Lilli, Sophie und Eril bereits warten 😉
Backpack auf und HALLO liebe Welt!