Die Bombe platzt.

Heute Abend dann ist die Bombe geplatzt. Die ganze Zeit schon wurde ich immer mal gut, mal schlecht behandelt und jetzt hat mir diese Unstetigkeit und die Ungewissheit, ob nicht doch was kommt, gereicht. Ich schätze ich bin einfach nicht als Au Pair geeignet aber auch solche Einsichten gehören dazu. Ich sollte Donnerstag und Freitag auch noch auf die Kinder aufpassen und als ich nach einer Möglichkeit gefragt habe, dass irgendwie gemeinsam auszuarbeiten, dass ich immer noch ins Kaffee gehen kann, wurde ich sehr angemotzt und letztendlich vor die Wahl gestellt: Au pair oder Barista. Ich habe Zee angerufen, meine Chefin aus dem Kaffee, um mit ihr zu reden. Sie hat mir direkt angeboten, fulltime zu arbeiten und bei ihr und ihrem Mann zu wohnen. Das ändert natürlich Einiges… Ich habe es Kathy gesagt und sie hat etwas seltsam reagiert, meine Entscheidung aber akzeptiert.

Mit anderen Worten, ich hab gekündigt.

Ich will die Familie aber nicht hängen lassen und einen würdevollen Abgang hinlegen. Deshalb werde ich noch bis Ende nächster Woche aushelfen. Außerdem setzte ich alles daran, meine Nachfolgerin zu finden. Das deutsche Au Pair vom Casting ist wieder im Rennen. Im Moment geht es mir gut. Ich bin mal aus dem Wohnzimmer gegangen, um der Mutter die Möglichkeit zu geben, mich zu hassen und sich bei allen Leuten darüber auszulassen. Der Vater war sehr entspannt und hat sogar meine Verbesserungsvorschläge für das nächste Au Pair hören wollen (dafür hat er sogar seine Frau zum Schweigen gebracht). Ich werde mit Sicherheit weniger verdienen, dafür aber noch schöne 5 Wochen in Melbourne haben und deshalb denke ich, ich hab das Richtige getan. Mal sehen wie es jetzt so wird, bei einer Familie zu leben, die weiß, dass sie nur zweite Wahl ist. Ich habe das Au Pair Dasein also an den Nagel gehängt…

Es bahnt sich an.

Wie gesagt, diese Woche viel zu tun.
Kinder nehmen auf sowas leider keine Rücksicht.
Sophia hat ihr Knie aufgeschlagen und es hat sich entzündet. Gestern hatte sie Fieber etc. und nachts kam noch der Arzt.
Deshalb war sie heute nicht im Kindergarten.
An wem blieb’s (verständlicherweise) hängen? Mir!
Dabei sollte ich eigentlich im Kaffee arbeiten.
Aber (irgendwie auch verständlich) musste ich das absagen.
Deshalb musste meine Kollegin Schule schwänzen, um meinen Platz auszufüllen.
Meine Gastmutter hat mein Missfallen mitbekommen und mich angepampt.
Sie meinte ich muss mich entscheiden.
Also habe ich heute den Tag komplett mit Sophia verbracht:
Deutschen Vanillepudding kochen, Vollkornbrot backen, wegen Feueralarm Sophia 17 Stockwerke runtertragen, gesunde Muffins backen, das Kind fernsehen lassen, während ich geputzt hab (jaa ich weiß, Fernsehen ist nicht die beste erzieherische Maßnahme), das ‚todkranke‘ (singende, springende, lachende und in den Kindergarten gehen wollende) Kind mit zum Einkaufen nehmen, Babychino trinken gehen, die Sonne genießen, eine Perlenbild basteln und bügeln etc.
Die Mutter kam abends wieder mal spät heim, ich hab alles alleine gemacht.
Sie war leicht gestresst, immer noch sauer wegen der Diskussion gestern und zickig.
Kein Wort des Dankes, dass ich meinen kompletten Tag geopfert habe.

7.April

Nach wenig Schlaf hat heute der Geburtstag meiner Oma hier 10 Stunden früher als in Deutschland angefangen. Happy Birthday, Oma!  (:
Lydia ist gleich morgens heim.
Eigentlich wollte ich mit Joel und Freunden von ihm auf ein Football/ Footy Spiel, aber er wollte dann doch lieber zurück nach Hause (die Jungs kommen aus Bendigo).
Ich war dementsprechend erstmal im Apartment, was mir ja immer super unangenehm ist, wenn ich frei habe und die Familie da ist. Das fühlt sich seltsam an und ich habe Angst, nach ‚Gefallen‘ gefragt zu werden, zumal Mutter dann immer gestresst/ nicht nett ist.
Irgendwie hatte ich auch schlechte Laune, weil alles nicht so klappen wollte und ich gerne in mein richtiges Zuhause wollte. Außerdem hatte ich schonmal einen Tag frei und wollte den gerne nutzen.
Ich bin dann ins Café gegangen, meine Kaffee-Künste aufzubessern. Leider gab es um diese Zeit keine Kaffee-Bestellungen.
Dann hat mir Joel aber gesagt, dass sein Kumpel Kyle (war gestern auch dabei) zum Spiel geht und mich mitnehmen kann.
Tag gerettet!
Ich bin mit Joels Freunden zum Spiel ‚Collingwood vs. Carlton‘ in Australiens größtes Stadion.
Es sollte ein gutes und spannendes Spiel werden und war ausverkauft (Fassungsvermögen des Stadions: 100.000 Fans).
Kyle hat mir kurz ein Paar Regeln erklärt und dann ging es schon los.
Es war eigentlich ganz lustig, auch wenn mich manchmal die Menschen um mich rum mehr interessiert haben als das Spiel, weil es wirklich verrückte Fans gab. Die Stimmung war super und das Event in einem so riesigen Stadion sehr cool!
Footy Spieler sind wirklich top Sportler.
Das letze Viertel war noch einmal richtig spannend und hat sogar mich als absoluten Laie mitgerissen.
Die Mannschaft, der sich Kyles Freunde verbunden fühlen, hat leider knapp verloren.
Ich bin dann ’nach Hause‘.
Nach einem Telefonat mit der einen Au Pair Bewerberin, die jetzt eine andere Familie gefunden hat, weil ihre aktuelle ‚Familie‘ die Hölle ist (schlimmer als bei mir ;)) bin ich angekommen und wurde leider nicht ganz so nett, wie erhofft empfangen. Vermutlich war der Tag der Eltern mit den Kindern doch zu viel (heute keine Hilfe von Verwandten).
Ich hoffe, diese Stimmung legt sich, ich kann ihr sämtliche Neuigkeiten (Absage Au Pairs, mein Abflugdatum,…) die Woche über schonend beibringen und hoffe, sie akzeptiert, dass ich echt viel im Kaffee arbeiten werde.
Außerdem bange ich jetzt schon um einen freien Sonntag…
Noch 5 Wochen und 2 Tage!