Samstag gab es leider in ganz Urubamba einen Stromausfall, sodass meine geplante Back-Action erstmal vertagt werden musste. Stattdessen habe ich geputzt, gelesen und bin mit dem Bus (der leider zwei Stunden!!!) gebraucht hat nach Cusco gefahren. Dort habe ich noch ein paar Vorbereitungen für meinen Treck am Montag getroffen und zwei Freunde, die ich vom Santa Cruz Treck in Huaraz kenne zum Mittagessen getroffen (Lasse (D) und Lea (CAN)). Anschließend gab es noch kurz ein Briefing für den Treck und dann nahm das Unheil seinen Lauf. Schon auf dem Weg zum Collektivo durch wieder mal Sturzbäche von Regen habe ich mich komisch gefühlt, im Collektivo selbst konnte ich dann nur noch nach einer Plastiktüte fragen und den Rest der holprigen Fahrt durch Dunkelheit, Hagel und Sturm habe ich damit verbracht, mich möglichst unauffällig zu übergeben und niemanden anzuspucken. Die beiden Peruaner links und rechts von mir haben erstaunlich friedlich geschlafen. Irgendwie habe ich mich nach Hause geschleppt, und auch dort war noch nicht alles vorbei. Ich schätze mal, ich habe tatsächlich so einiges in Renzo’s Praxis mitgenommen, vielleicht den ein oder anderen Norovirus…
Heute habe ich dementsprechend anstatt mit Plätzchen backen im Kinderhaus mit Auskurieren und letzten Vorbereitungen meiner Abreise verbracht, in der Hoffnung das bis morgen früh um 4 auch die letzten Spuren meiner Krankheit beseitigt sind. Denn dann geht es los auf den Salkantaytrail.
Heute Abend in Cusco treffe ich noch einen weiteren Traveller Kumpel aus der ersten Woche Reisen und dann gehe ich früh schlafen!
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Urubamba, Woche 2
Diesen Montag sollte ich sehr früh im ortsansässigen Krankenhaus, der MINSA, erscheinen, um mit auf Hausbesuche zu gehen.
Allerdings hat sich anscheinend das Personal umentschieden: heute nicht. Also konnte ich mit auf eine kurze Visite (wegen Streik kaum Patienten), die sehr interessant war: der Arzt fragt die Schwestern hier ganz schön aus…
Abends wollten wir in unserer WG mit Käsefondue den ersten Advent nachfeiern, aber mit dem nationalen Käse hat das nicht hundert Prozent geklappt.
Der Dienstag in Huilloc war sehr interessant. Zusammen mit Anna (eine Freiwillige aus dem Projekt) konnte ich zwei schwangere Frauen (oder Mädchen?!) ultraschallen und wir konnten richtige Bilder der Babys sehen und deren Geschlecht bestimmen!
Außerdem hat die Rechenzeit hier begonnen, sodass es mindestens nachts monsunartig regnet, Gewitter inklusive. Das habe ich nachmittags leider voll abbekommen, sodass ich meinen Ausflug zu den Salineras (Salzterassen) streichen musste.
Stattdessen habe ich mit Conny (Freiwillige) und Begünstigen des Projektes Tarta limona gebacken.
Mittwochs habe ich mich zuerst um eine Zusammenfassung über die häufigsten Parasiten/Erreger der Freiwilligen gekümmert, viel mit daheim geredet (im ortsansässigen Café, bedient mit Kaffee und Brownie) und den Nachmittag in Renzo’s Hausarztpraxis verbracht. Das war wirklich ziemlich cool, denn Renzo ist nicht nur wahnsinnig nett, sondern auch sehr professionell. Das erste Mal, das ich das Gefühl hatte, annähernd europäischen Standart zu erleben. Er hat mir einige Untersuchungstechniken gezeigt und sich viel Zeit für Erklärungen bei seinen Patienten genommen.
Donnerstag ging es dann wieder nach Huilloc (eher unspektakulär) und anschließend habe ich meinen Ausflug nachgeholt.
Ich war zuerst in Ollantaytambo, wo ich durch super süße kleine Gassen gestreift bin und auf Inka-Ruinen geklettert bin. Anschließend ging es zu dem Salineras. Nach ca. 30 Minuten Wanderung bot sich ein wunderschönes Spektakel: Salzterassen soweit das Auge reicht! Es war echt eine herrliche Aussicht und ich bin eine Weile umhergetigert, bis ich den Touristen-Eingang erreicht habe, wo mir dann zu viele Leute waren.
Zu Fuß ging es dann zurück nach Urubamba.
Abends habe ich mit Tim gekocht und das erste Mal selbst die peruanische Nationalsoße Huancaina gemacht. Lecker! Zusammen mit Judiths Freund, Tim und noch einem Peruaner, der praktisch bei uns wohnt, sind wir im Dunkeln noch ein wenig durch Urubamba gezogen.
Heute frühs bin ich mal wieder Zeuge des peruanischen Organisationstalents geworden. Ich sollte um 8.00 einen Erste-Hilfe-Kurs geben. Um 8.30 wurde eine Réunion einberufen, also wurde der Kurs auf unbestimmte Zeit nach hinten verschoben. Auf die Frage wie lange die Besprechung dauern würde bekam ich ‚Trenta minutos, No mas!‘ (nicht mehr als 30 Minuten) zu hören. Nachdem ich den Vormittag mit einem Marktbesuch vertrödelt hatte, dauerte die Réunion noch 30 Minuten extra, sodass ich mit 2,5h Verspätung loslegen konnte.
Mittags gab es wieder Geburtstagskuchen, diesmal von Vicky. Außerdem habe ich ein kleines Abschiedsgeschenk bekommen: eine Kette mit einem Inka-Anhänger des Dios del Sol, die ein traditionelles medizinisches Messer darstellt. Das hat mich mega gefreut (:
Heute Nachmittag bin ich wieder bei Renzo und hoffe, möglichst viel mitzunehmen…
Hoch die Hände – Wochenende!
Nach israelischem Abendessen haben wir uns mit ein paar anderen zum ‚Kaboum‘ (Kartenspiel) spielen verabredet, danach ging es irgendwann durch die Clubs der Stadt, die alle mit ‚free drinks‘ locken. Es war eine lange und feierwütige Nacht, dementsprechend ruhig ging es am Samstag zu. Nach Mittagessen im vermutlich besten Restaurant der Stadt aka Green Point mussten wir Ben leider schon wieder ein neues Handy besorgen, denn die letzte Nacht hatte es nicht überstanden.
Ich habe mir den Salkatantrail für übernächste Woche gebucht, ein paar kleinere Besorgungen gemacht und dann kam der Abschied. Nicht nur durch die grenzenlose Müdigkeit und damit emotionale Anfälligkeit bedingt, sondern auch weil ich meine kleine Reisefamilie gehen lassen muss, die alles ein bisschen besser und vieles ein bisschen weniger schlimm gemacht hat, hat mich krasses Heimweh übermannt. Der. Abschied war seltsam kurz und unpersönlich, damit ich schnell weggehen konnte und garnicht erst in Gefahr kam, mit Tränen durch Cusco zu laufen.
Ich habe mich ins Colectivo gesetzt und dort witzigerweise zwei Freiwillige getroffen. Das war auch ganz gut soweit, denn das doofe Ding fuhr ewig nicht los, in der Hoffnung auch die letzten Plätze noch zu füllen. Im Dunkeln ging es dann über die super kurvige Straße nach Urubamba. Unterwegs beschlich uns dann leider der Verdacht, das der Fahrer nicht ganz auf de Höhe seiner geistigen Fähigkeiten war. Nachdem der ganze Bus ihn aber angeschrien hat, war er dann auch wieder wach.
Meine lieben Mitbewohner hatten Suppe gekocht und davon habe ich profitiert. Mehr ging an dem Abend wirklich nicht mehr.
Heute frühs habe ich mich in den Bus nach Pisaq gesetzt, um den dortigen Markt zu erkunden. Man hat direkt versucht in dem Bus, in den der Fahrer nicht selten während der Fahrt Öl nachfüllt und durch dessen Löcher im Boden man die holprige Strasse sehen kann, mir den Touristen-Preis zu berechnen. Aber nicht mit mir!
Alleine in Pisaq bin ich dann doch ein bisschen in Shoppingrausch geraten und habe einige Geschenke für die Lieben daheim gekauft.
Peru’s Märkte bieten mit ihren farbenfrohen Kunstwerken jeglicher Art einfach so viel! Am liebsten würde ich alles kaufen, aber dann bräuchte ich mindestens noch ein Lama, was den ganzen Kram trägt, und die sind weder im Bus noch in Hostels erlaubt. Außerdem bin ich Zeuge einer peruanischen Hochzeit geworden. Das ganze Dorf in kompletter Tracht dabei und als die Süßigkeiten geworfen wurden haben die sich bald geschlagen. Auch für mich als leicht überforderten Bestehenden gab es Sammel-Postkarten, die anschließend anscheinend getauscht werden.
Den restlichen Sonntag werde ich ruhig mit einigem Organisationskram und einer Joggingrunde auf 3000m verbringen.
Let the oxigen flow!
Urubamba, Woche 1
Am Abend meines Ankunftstags haben wir zusammen gekocht. Wir -das sind Rebekka, Judith und Tim, meine Mitbewohner sowie Martina (eine Zahnärztin, die am nächsten Tag abgereist ist). Generell herrscht in dem wunderschönen Haus am Rande Urubambas ein Kommen und Gehen, meistens allerfeinste Sahnelaune und es wird sich gut um mich gekümmert (:
Montags habe ich das Büro kennengelernt und war Nachmittags im Kinderdorf Munaychay, ein wirklich tolles Projekt, bei dem Kindern aus üblen Verhältnissen ein neues Zuhause gegeben wird. Dort habe ich mit einer Freiwilligen genäht, weniger medizinisch aber auch spaßig.
Dienstags war ich im Gesundheitszentrum von Huilloc mit dabei. Dabei handelt es sich um ein kleines Häuschen in einem kleinen Dorf, wo den sonst von der Welt sehr abgeschnittenen Einheimischen kostenlose medizinische Versorgung angeboten wird. Mit dem Autobus fährt man fast eine Stunde dorthin. Die Patienten kommen meist mit kunterbunten Ponchos oder Röcken bekleidet, zuckersüße Kinder tragend, um ihre Symptome vorzutragen. Die körperliche Untersuchung mangels technischer Geräte super wichtig hier und das Standartrezept beinhaltet ein Antibiotikum und Paracetamol in vergleichsweise homöopatischen Dosen. Das Behandlungszimmer ist ein staubiger, kalter und winziger Raum ohne Schnickschnack.
Schulkinder werden vor einer Reise abgehorcht um auszuschließen, das sie bei ihrer Rückkehr in derartige Höhen irgendwelche Beschwerden bekommen.
Der behandelnde Arzt nimmt sich tatsächlich Zeit mit mir ein paar Basics durchzugehen.
Mittwochs habe ich etwas Zeit für mich selbst, bevor ich wieder im Kinderdorf Kissen nähen helfe.
Meine Mitbewohner versuchen, wie bei jedem Neuling mir einen Schrecken einzujagen, indem sie vor Abendessen Ausdruckstanz im Garten praktizieren. Sieht witzig aus, und da ich den Witz ziemlich direkt durchschaue kann ich die allabendliche Show ohne Kopfschütteln genießen.
Donnerstags ist wieder Huilloc-Tag.
Es kommen leider kaum Patienten und deshalb beschließe ich mit Rebekka und Tim von Huilloc durchs wunderschöne heilige Tal nach Hause zu laufen.
Seit Tagen rumort mein Bauch und meine Verdauung macht witzige Sachen. Auf der Wanderung, bei der wir uns schrecklich verlaufen aber dafür ziemlich coole alte Ruinen finden, gipfelt sich mein Krankheitsgefühl.
Irgendwie schlagen wir uns querfeldein die Böschung runter bis zur Straße, halten einen Pickup an und fahren auf dessen Ladefläche bis nach Ollayatambo, ein touristisches Dörfchen.
Von dort aus gehen wieder Collektivos nach Urubamba.
Ich schaffe es noch gerade so ein paar Einkäufe zu machen und eine Stuhlprobe für einen Parasitentest abzugeben bevor ich völlig erschöpft in mein Bett falle.
Eine Stunde später steht fest: ich habe mit durch die hohe Wasserqualität in Urubamba direkt mal Störenfriede eingefangen. Etwa 30 Euro und 10 Minuten später halte ich mein Antiparasitenmittel in den Händen (das mit verschrieben Breitbandantibiotikum spare ich mir). Schnell runter schlucken, um alles Lebendige in mir zu töten! Da am Abend bei uns in Tims Geburtstag rein gefeiert werden soll, bereite ich Kuchen und Stockbrot vor, schlafe wieder zwei Stunden und setze mich dann ans Lagerfeuer. Mein Magen lässt mittlerweile wieder Stockbrot mit geschmolzener Schokolade zu, und wieder einmal fällt mir auf, wie nett hier alle sind!
Rebekka hat heute morgen trotz langer Nacht ein wunderbares Frühstücksbuffet gezaubert, ganz zu Tims Ehren, der darauf schwört, gerade erst volljährig geworden zu sein (in Wirklichkeit bewegt er sich in meiner Altersgruppe).
Zusammen mit ein paar Freiwilligen, die die Nacht aus logistischen Gründen verstreut in unserem Haus verbracht haben, begehen wir den Morgen. Am Nachmittag treffen sich ein Paar Leute von ‚Corazones Para Peru‘ im Büro und feiern nochmal 23 Jahre Tim. Peruanischer Brauch ist es, dem Geburtstagskind erst ein Ständchen zu bringen (etwas mehr Elan als das klassische Happy Birthday!), dann die Kerzen auszupusten und wenn das Ehrenkind dann versucht von der Torte abzubeissen, seinen Kopf in die Sahne zu drücken.
Mit verschmiertem Gesicht haben wir dann alle zusammen sehr zuckrigen Kuchen genossen.
Jetzt befinde ich mich im Collektivo nach Cusco, wo ich mich endgültig von Ben und Eric verabschieden muss 🙁
Ayahuasca
Angeline ist mit den Nachbus nach Arequipa weiter gefahren, sodass ich sie vermutlich auf dieser Reise nicht mehr sehen werde (was ich wirklich wirklich schade finde).
Ben und ich sind mir endlich ein Handy kaufen gegangen, leider für ein Schweinegeld. Außerdem durften wir bei dem Versuch, eine Simkarte in sein gebraucht erworbenes Handy einzulegen, feststellen, das es offensichtlich geklaut ist. Aber hey, als Gauner kennt man sich aus und holt schnell Hilfe bei seinen Gaunerkumpels, sodass es letztendlich doch irgendwie funktioniert hat.
Außerdem haben wir an einer Ayahuascar-Zeremonie mit Schamanen etc teilgenommen, die über Nacht ging. Sehr interessante Erfahrung aber einmal ist definitiv genug.
Heute früh sind wir super müde wieder in die Stadt zurück gekehrt. Wir haben im meiner Meinung nach besten Restaurant der Stadt gegessen, unsere Taschen gepackt und jetzt sitze ich im klapprigen Bus nach Urubamba. Die Jungs starten morgen einen Vier-Tages-Hike, den ich so gerne mit ihnen gemacht hätte, aber ich bin auch etwas gespannt, was mich bei meinem Praktikum erwartet.