Den Tag von Las Vegas zum Sequoia Nationalpark haben wir Mal abgesehen von Kaffeepausen und Walmart-Stops vorwiegend mit Autofahren verbracht. Ein Hoch auf Klimaanlagen! Und ein Hoch auf Sassi, die ‚Sophie’s Welt‘ live als Hörbuch performt. Gegen Abend ist uns dann die Idee gekommen, das der Nationalpark vielleicht joirgendwann zu machen könnte oder der Campingplatz vor unserer Nase schließt? Also sind wir ein wenig schneller durch Orangenbaumplantagen und über kurvige Bergstraßen gefahren. Glücklicherweise ist doch alles ausgegangen, ca. 1h vor Straßenschluss wegen Bauarbeiten haben wir eben diese passiert und im Dunkeln unseren Campsite gesucht. Mit unseren Stirnlampen haben wir die Bärenbox (vor Bären sicherer Stauraum für Essen, Zahnpasta etc.) eingeräumt und das Zelt aufgebaut.
Nach einem kurzen Snack sind wir im doch eher kalten Schaflager eingenickt.
Den nächsten Tag haben wir mit einem gemütlichen Frühstück und Informations-Sammlung begonnen, bevor wir einsame und verlassene Trails zum General Sherman Tree, dem größten Baum der Welt, bewandert haben. Schon nach ca. 1 Stunde haben wir zufällig unseren ersten Bären gesehen und auch eine Schlange mussten wir passieren. Nach der Mittagspause haben wir uns auf den Weg zum Moro Rock gemacht, wo wir noch einige Stufen bis zu einer fantastischen 360° Aussicht über die Wälder erklommen haben.
Nach einiger Zeit im Shuttlebus haben wir es uns mit Kaffee und Kuchen gemütlich gemacht, unsere Füße im eiskalten aber super klaren Fluss hinter unserem Campingplatz gewaschen und die abendlichen Stunden mit lesen oder ähnlichem verbracht.
Am Morgen des zweiten Tages haben wir leider festgestellt, das wir uns ein wenig mit den nächsten Unterkunftsmöglichkeiten verkalkuliert haben -das kommt davon wenn man den Überblick über die Wochentage verliert.
Also haben wir uns an ein Münztelefon gewagt und gehofft, unser Hostel umbuchen zu können (alle Campingplatz Spots waren schon voll). Mit zwei Anläufen hat auch das dann geklappt! (Vielleicht bleiben wir auf unserer Anzahlung sitzen, aber Mal schauen…). Im Anschluss sind wir in den angrenzenden Kings Canyon gefahren, immer die kurvigen Strassen lang, bis zum Ende. Dort haben wir eine wirklich schöne Wanderung zu den Mist Falls gemacht. Der Wald war voll mit Schachtelhalmen aber leider auch mit tausenden richtig nervigen Fliegen.
Nach einem nachmittaglichen Päusschen mit Kaffee und Kuchen an einem reißenden Fluss, haben wir in den Abendstunden noch den Little Baldy erklommen, wo wir wegen des leichten Regens doch nicht den Sonnenuntergang angesehen haben. Trotzdem: der Weg und vor allem der Ausblick am Ende haben sich sichtlich gelohnt -ein kleiner Geheimtipp! Und der Geruch von Sommerregen macht eh alles besser.
Heute frühs haben wir all unsere Habseligkeiten zusammengepackt und einen morgendlichen Spaziergang zu einem Wasserfall direkt hinterm Campingplatz gemacht, bevor wir uns wieder ins Auto gehockt haben um -wieder mit unseren üblichen Walmart- und Snack-Stops- irgendwo ins nirgendwo Richtung Yosemite Nationalpark zu kurven. Hier haben wir ein bisschen notdürftig ein ziemlich teures Tent Cabin angemietet und den Dreck und Schweiß der letzten Tage abgeduscht. Herrlich!
Nach viel Brainstorming und Internet-Benutzung, sowie leckerem Abendessen sind wir in unser schmales ‚Doppelbett‘ geplumst, weil wir morgen super früh versuchen werden, einen Campground (in der Nähe des Parks, direkt im Herzen wurde uns wegen des starken Andrangs abgeraten) zu ergattern.
Autorenarchiv: lara
Zion/Bryce Canyon
Aufgrund unseres nächtlichen Ausflugs sind wir knapp 3 Stunden später wieder ins Auto gestiegen und Richtung Zion Canyon gefahren. Dort angekommen wurde uns erstmal gesagt, Justin Bieber sei auf dem gleichen Campingplatz wie wir, in dessen First-Come-First-Serve-Schlange wir uns für die nächsten 3,5 Stunden eingereiht haben. Leicht angebabbt und hundemüde haben wir -charmant wie wir sind- einen Platz direkt am Fluss ergattert und unser Zelt aufgebaut. Direkt im Anschluss mussten wir (weil wir heute noch nicht genug Zeit mit warten verbracht hatten) in der Schlange des Shuttlebus eine knappe Stunde stehen, bis dieser uns zu unserem Startpunkt des Hikes zu ‚Angels Landing‘ gebracht hat. Hier sind wir zunächst in der Hitze einen betonierten Weg hochgelaufen, der schon zwischendurch mit herrlichen Ausblicken lockte. „Oben“ angekommen konnte man entweder verweilen oder den eigentlich angestrebten Part bewältigen: sich an Stahlketten hochrangeln, wenn es geht nicht in die hunderte Meter Tiefe stürzen durch Gesteinsspalten und über, Felsen bis zum höchsten, atemberaubenden Punkt klettern. Der Blick durch den Canyon war überwältigend!
Ziemlich verschwitzt haben wir uns dann wieder auf den Rückweg immer steil bergab gemacht und sind mit dem Shuttle quasi vor den nächsten kleinen Supermarkt gefahren, um uns mit etwas Eisigem abzukühlen.
Da wir schon fast auf dem Rasen vor dem Geschäft eingeschlafen sind, haben wir uns aufgerafft, eine kurze Katzenwäsche im Fluss durchgeführt und dann unser Abendessen, umgeben von Rehen, die unseren Platz mit ihrer Weide verwechselten, improvisiert. Es sollte allerdings nicht lange gemütlich bleiben, denn ein ziemlich heftiges Gewitter (das den Himmel immer wieder erstrahlen und den Boden wackeln ließ) hat uns gezwungen, in Windeseile und leicht überstürzt ins Zelt zu flüchten und früh zu schlafen.
Tag 2 haben wir dann glatt genutzt, um 3 Stunden in den „benachbarten“ Bryce Canyon zu fahren. Hier haben wir den Shuttlebus genommen und sind dann von dessen Haltestelle einen recht gemütlichen Weg am Rand des roten und verrückt geformten Canyons bis zum Startpunkt zurück gelaufen. Der Blick war wie immer überragend und bei einer kleinen Extrarunde einmal runter in die Schlucht und zurück sind wir fast ein bisschen ins Schwitzen gekommen!
Wieder am Campingplatz im Zion Canyon angekommen, haben wir ein wenig das Interne genutzt und entspannt. Nach Dosenfutter und einer Runde Kniffel haben wir uns dann recht bald in unser gemütliches Zelt begeben…
Der dritte und letzte Tag im Canyon sollte nochmal ein besonderer werden: geplant war die ‚Narrow‘-Tour. Uns war grosses Versprochen worden und ein ortsansässiger Outdoorladen wollte unbedingt ein Schuh-und-Stock-Mietpacket an den Mann bringen (meiner Meinung nach reine Geldmacherei). Mit dem Shuttlebus ging es so tief wie möglich in den Nationalpark und dann immer am Fluss entlang bis zur ‚Wechselstelle‘, von wo an man einfach das Flussbett hinauf waten musste. An manchen Stellen war es wirklich nicht einfach das Gleichgewicht zu halten, wenn einem die Strömung bis über die Knie reicht und man auf kullernden Steinen ausrutscht, ohne diese je zu sehen!
Die Schlucht, die der Virgin River im Laufe der Zeit in den Fels geschlagen hat war zwar überfüllt von Menschen aber nicht minder schön. Nach etwa zwei Stunden stromaufwärts Waten sind wir dann umgekehrt und wieder zurück gestolpert. Am gleichen Tag noch sind wir wieder nach Las Vegas gefahren, um in einem bizarrem Luxushotel-Verschnitt mit Einweggeschirr beim ungenießbaren Frühstück eine Nacht sehr erholsamen Schlaf zu tanken, bevor es heute wieder weiter in den Sequoia Nationalpark geht…
Er ist wieder da!
Nach einem Frühstücks-Picknick auf dem Boden unseres Hotelzimmers mit besonderem Charme haben wir uns auf an die Rezeption unseres Hotels gemacht, wo Sassi sich einem Telefonmarathon hingegeben hat, an dessen Ende sie zwar mit sämtlichen Mitarbeitern des Flughafen in Philadelphia per Du war, aber immer noch nicht das Kofferproblem klären konnte. Daraufhin haben wir beschlossen erstmal auf Kosten der Airline Sassi neu einzukleiden. Da sich in Las Vegas aber eher Luxusboutiquen aneinanderreihen mussten wir auf einen H&M zurückgreifen, der eigentlich ein Club mit Dj war.
Anschließend sind wir noch in einem Walmart eskaliert, um die Versorgung der geplanten Campingtour zu sichern.
Bei einem Zwischenstopp im Hotel hat Sassi dann doch tatsächlich die frohe Botschaft erhalten, das ihr Rucksack um Mitternacht am Flughafen landen sollte.
Also war der bisherige Tag quasi für die Katz‘. Anstelle der ursprünglich angedachten Poolparty haben wir -von einem Monsun überrascht- auf Pad-Kaffee und Planung für die National Parks umgeschwenkt. Nach einem kurzen Nickerchen sind wir zum Flughafen gestartet und haben versucht unsere Hoffnung nicht aufkeimen zu lassen.
Natürlich hatte der Flieger Verspätung und als dann unglaublicherweise unser verwisster Teil des Teams auf das Förderband plumpste gab es kein Halten mehr!
Die mitternächtliche Fahrt zurück zum Hotel fiel uns doch glatt viel einfacher.
Er ist wieder da!
Welcome to fabulous Las Vegas!
Und los geht’s: raus im Morgengrauen, ab in den Airliner nach FRA, einchecken, rumlümmeln, exzessiv Filme schauen, Flugzeugessen genießen, leicht nervös in Philly umsteigen (wollen ‚mer se neilasse?!) und ziemlich viel mit Nackenstarre schlafen. Endlich sind wir in Las Vegas angekommen. WIR schon -Sassis Backpack allerdings nicht.
Also setzten wir uns mit der Airline auseinander- Klappe die erste. Am späten Abend schaffen wir es dann ins Hostel, wo wir todesfertig in die Betten fallen.
Mit mittelleckeren aber gratis Pancakes haben wir den Morgen begonnen, sind erst zur ‚Fremont Experience‘ bei uns ums Eck gestiefelt (eine kleine Version des eigentlichen Las Vegas Strip) und haben dort -vor der sengenden Hitze der Stadt in ein auf Minusgrade runtergekühltes Casino geflüchtet- unsere weiteren Tage geplant. Es ist heiß in der Stadt und trotzdem friert man immer wieder, in den unzähligen Casinos und Luxushotels, in denen die Energierechnung wegen der ACs in schwindelerregende Höhen getrieben wird.
Wir sind mit dem Bus ins Herz der Stadt gefahren, am Puls des Gambelns und Konsums. Glitzer – Lichter – Lautstärke – BÄM!
Alles wirkt wie in einem Freizeitpark, eine pikante Mischung aus Flip-Flops tragenden Touris, verloddertern Gestalten und Hochkarätern. Leider gibt es nicht alles zu studentenfreundlichen Preisen, aber wir schlagen uns durch. Immerhin die Wassershow vorm Bellagio ist umsonst!
Den langen Tag lassen wir mit einem absoluten Highlight ausklingen: auf dem Stratosphere Tower, dem höchsten Gebäude der Stadt, fahren wir eine adrenalinspiegelsteigernde Achterbahn und den -die Spitze bildenden- Freefalltower. Bei Nacht über der leuchtenden Stadt? Wow!
Viel zu spät landen wir in den Hostelbetten.
Tag 2 startet früh mit einer Odyssee zurück an den Nabel der Stadt. Wir nehmen an einer Free Walking Tour teil, die wie immer gut ist, frühstücken um die Mittagszeit und wurschteln uns anschließend wieder durch zahlreiche Casinos, Luxushotels, Gärten, Pools, europäische Sehenswürdigkeiten und die knallende Sonne.
Nach einem kurzen Ausflug zum Flughafen -keiner kann uns wirklich weiterhelfen und der Koffer fehlt noch immer- verbringen wir den Rest des Abends mit Einkaufen in einem gigantischen 24/7 Wallmart. Hier besorgen wir neben dem wohl größten Glas Peanutbutter unseres Lebens auch Ersatzschuhe für Sassi und Campingequipment. Willkommen in Amerika!
Wieder früh klingelt der Wecker, der Plan ist ein Tagestrip zum Grand Canyon (wirklich weit können wir ja wegen unseres vermissten Teammembers nicht von Sin City weg). Durch planerische Schwierigkeiten und Verquatschen mit redseeligen aber freundlichen Amis kommen wir zwei Stunden später los als geplant. Durch die Wüste und klischeeerfüllende amerikanische Dörfer geht es bis zum westlichen Teil des Grand Canyon. Ein Zwischenstopp an der Tankstelle wird gekonnt gemeistert, die eher mäßigen Straßenverhältnisse gekonnt ignoriert. Am Besucherzentrum angekommen werden wir leicht geschockt mit einem 50$ Busticket, das wir gezwungenermaßen kaufen müssen, wenn wir überhaupt etwas sehen wollen (mit dem Auto darf man nicht weiter). Schwer touristisch werden wir an verschiedenen Stationen von Shuttle abgeladen. Der Blick auf den Canyon entschädigt allerdings für alles. Gigantische Weiten, roter Stein, karge Vegetation und steile Schluchten lassen einen die vorwiegend asiatischen und amerikanischen Touristen vergessen.
Hier lockt der Skywalk die Besucher – eine Touristenattraktion bei der man über einen gläsernen, über dem Canyon schwebenden Ring laufen kann.
Wir besichtigen noch ein paar Lehmhütten der ursprünglich einheimischen Indianerstämme und machen uns dann auf zu Stop 2, der noch schönere Aussichten und unendliche Weite bietet.
Der letzte Halt ist eine Ranch, auf der man Lasso-werfen kann die aber ansonsten nicht weiter spektakulär ist.
Nach unserem täglichen Besuch am Flughafen (ist schon wie nach Hause kommen) fahren wir immer noch ohne Sassis Kram in unser Hotel, was alle Klischees eines amerikanischen Motels erfüllt, duschen den Dreck und Staub des Tages ab und besprechen unsere nächste Zeit.
Hasta Luego Sudamerica
Und jetzt ist er da, dieser Moment, an den ich schon lange gedacht habe. Alles Gepäck eingecheckt, die Sicherheitskontrollen passiert. Nichts mehr zu tun als auf Flüge zu warten, Leute zu betrachten, abgepacktes Flugzeugessen zu geniessen.
Der Weg hierher war nochmal schwer, den zu guter Letzt haben sich noch einmal Parasiten in meinen Magen-Darm-Trakt eingeschlichen und mir die Nacht zur Hölle gemacht. Mit Mitternachtslieferung habe ich mir wieder Mal Secnidazol gegönnt, die Nacht nicht geschlafen, sondern ständig zum Klo gerannt. Der Taxifahrer um 4.00 hatte leider kein Wechselgeld, also haben wir zusammen Taxis angehalten, von denen erst nach einer halben Stunde jemand wechseln konnte. Das System am Check-in-Schalter war zusammen gebrochen, sodass ich von einem Bein auf das andere wippend eine Stunde angestanden habe, bevor ich wieder aufs Klo rennen konnte. Eine weitere Dosis Secnidazol habe ich mit meinen letzten Pesos gekauft, was auf den Cent gereicht hat.
Und nun sitze ich da. Vollkommen verstrahlt, übermüdet, mit grummelndem Magen, unfähig den Moment zu realisieren.
Wenn mich jemand fragen würde, wie ‚ich es fand‘, würde ich vermutlich antworten: ich habe es geliebt und gehasst. Beides. Manchmal innerhalb weniger Sekunden, manchmal gleichzeitig. Südamerika war ’ne Nummer. Alleine reisen ist eine der beängstigenden, verücktesten und befreiendsten Dinge, die ich je gemacht habe. Meine Güte, was ich alles erleben durfte! Was für Menschen ich kennengelernt, was für Erfahrungen ich gemacht und was für Momente ich durchlebt habe!
Noch emotionaler als normalerweise lässt sich das alles schwer einordnen, und ich habe keine Ahnung was mich nach fast einem halben Jahr in der Ferne in ‚meiner Welt‘ erwartet. Nun ja, eigentlich weiss ich es. All das Vertraute, was ich so oft herbeigesehnt habe. Alle Menschen, die mir auf Distanz noch viel mehr ans Herz gewachsen sind. Alles was ich kenne, von dem ich weiss wie es abläuft.
Das Kapitel Südamerika ist vorerst zuende.
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