Freitag war ein doofer Tag.
Nachdem ich zum Supermarkt runter gelaufen bin und mir ein Ticket für Nicolas Jaar am Samstag gekauft habe, habe ich den ganzen Tag damit verbracht, auf eine Bekannte aus der Schule zu warten, wobei ein Treffen am Ende doch nicht geklappt hat. Ich habe in einem Einkaufszentrum abgehangen und den ganzen Tag also nichts gemacht. Abends hatte ich dann noch Bauchschmerzen, nachts Flöhe in meinem Bett. Überragend!
Samstag früh habe ich mich mit Igor getroffen, den ich über ein paar Ecken kenne und morgens eine Pablo Escobar Tour gemacht. In einem Minibus wurde unsere Gruppe zu allen möglichen Orten gefahren, die mit ihm in Verbindung standen/stehen: Elternhaus, Wohnhaus, eine Kappelle in der seine Auftragskiller ihre Kugeln segnen ließen, das Dach auf dem er erschossen wurde, sein Grab,…
Es war echt interessant aber vielleicht ein bisschen zu teuer. Wirklich beeindruckend war es auch, das quasi an keinem Ort mehr Hinweise auf dessen Geschichte zu finden sind. Die Kolumbianer wollen unbedingt vergessen.
Nach dem Mittagessen waren wir dann noch im Museum der modernen Kunst, was ich ziemlich cool fand. Nach Abendessen mit Igor und Julian habe ich mich dann fertig gemacht und vier deutsche Jungs, die ich von der Free Walking Tour kenne, getroffen. Zusammen sind wir in den Botanischen Garten zum Konzert, was zwar gute Musik abgeliefert hat, aber nicht besonders tanzbar war. Das Setting war allerdings echt cool (:
Mit den Jungs war ich dann noch in einem Club in der Backpacker-Blase El Poblado, bevor ich ins Bett gefallen bin.
Sonntags wollte ich eigentlich mit Claire aus meinem Hostel zu einer Pferderanch von jemandem, den sie im Flieger kennen gelernt hatte. Allerdings haben wir nach dem Check Out ziemlich lange auf ihn gewartet und dann beschlossen, das es jetzt auch zu spät ist. Wir wollten eigentlich einen Markt besuchen, der aber leider zu hatte, dann ein Kaufhaus, das auch zu hatte und haben dann den Tag mit rumstreunern und rumhängen verbracht (Sonntag in Südamerika ist echt tote Hose. Notiz an mich: Sonntage ab sofort mit irgendwelchen vorgebuchten Aktivitäten verbringen). Der Tag war also leider wieder anstatt mit coolen Dingen in Medellin mit rumsitzen und warten gefüllt.
Claire hat sich allerdings spontan ein Ticket nach San Andrés gebucht, sodass wir uns ab Mittwoch dort sehen (:
Nun sitze ich am Flughafen und warte auf meinen Flug nach San Andrés, der leider über eine Stunde Verspätung hat und mir dadurch Schlaf und meine Zeit auf der Insel geraubt hat/raubt.
Es mag an der Müdigkeit und den letzten doch eher bescheidenen Tagen liegen aber langsam steigt die Vorfreude auf daheim ins Unermessliche. Ich dachte nie, das ich mal so denken würde, aber langsam habe ich genug vom Reisen…
Was nicht heißt, das ich alles daran setzen werde, die letzten drei Wochen wunderschön zu gestalten und zu genießen 😉
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Medellin, erster Teil
Später als gedacht sind wir in Medellin angekommen. Mit dem Taxi ging es ins Hostel und dann sind Philipp und ich durch die Backpacker-Blase namens El Poblado gelaufen, auf der Suche nach Nahrung. Hier ist alles wahnsinnig hip, auch irgendwie schön, beleuchtet und es sind mehr Gringos auf des Strasse als Einheimische. Ich habe außerdem Eline und Emiel kurz wieder getroffen und mich sehr über die kurze Zusammenkunft gefreut.
Am nächsten Morgen bin ich mit Philipp ca. eine Stunde in die eigentliche Innenstadt gelaufen, durch gut bewachte und schicke Wohngegenden, durch laute Strassen, die nach Abgasen riechen, vorbei an coolen Graffitis, durch Ecken, wo der Müll die Wege säumt und dazwischen krass fertige Gestalten sitzen, die in Lumpen oder halb nackt ihre Drogen nehmen. Medellin bietet von super reich bis super arm quasi alles, westlichen Standart und tiefe Abgründe.
Auf einem Obst-und-Gemüse-Markt haben wir uns eine Erfrischung gegönnt und ich habe mir mal wieder eine Monsteravocado gekauft. Das Mittagessen haben wir in einem indisch angehauchten vegitarischen(!) Restaurant gegessen, in dem seltsamerweise nur Locals waren.
Um 14.19 haben wir an der Free Walking Tour teilgenommen, die uns 4h durch Downtown geführt hat. Der Guide hat quasi perfekt Englisch gesprochen und es waren super viele Infos über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Stadt an der Tagesordnung. Die Tour war wirklich empfehlenswert!
Am Abend war ich noch schnell in einem gigantischen Supermarkt und habe meine Guatapé-Tour gebucht.
Guatapé & surroundings
Mit Lars (NL) von der Free Walking Tour habe ich mich heute Morgen um 9.15 getroffen, um 9.50 wurden wir ca. abgeholt. Es ging zunächst durch äußere Viertel wie ‚Pablo Escaban‘, das nach dessen Sponsor benannt ist, der hier wie ein Gott behandelt wird, weil er den Armen ein Zuhause gegeben hat. Nach kurzem Lookout-Zwischenstopp haben wir dann bei Rapha, dem Haupt-Guide Zuhause gefrühstückt (bestes Frühstück in ganz SA), mit seinem Welpen gespielt und sind auf dem Dach seines Busses über eine Bumpyroad weitergefahren.
Wir haben zu mehreren kleinen Dörfern unterwegs Geschichten gehört (z.b. das Dorf, aus dem das Flower-Festival stammt) und eine Kirche aus Felsen gesehen. In Peñol haben wir dessen grünen See besichtigt und haben anschließend einen Badestopp gemacht. Dort konnten wir von einer Brücke ca. 7 Meter ins Wasser springen, man ist wirklich lange geflogen!
Am Nachmittag haben wir das eigentliche Highlight bestiegen: den Piedro del Peñol. Das ist ein riesiger Felsen (200m hoch), den man über 659 Stufen erklimmt. Oben angekommen hat man einen 360-Grad-Blick über die Gegend: tausende kleinere und größere Inseln, von grünem Wasser zerteilt. Es ist wirklich mega schön dort!
Am Fuße des Felsens hat dann unser spätes Lunch auf uns gewartet, was wieder überragend gut war.
Der nächste Halt hieß Guatapé, eine kleine touristische Stadt mit kunterbunten Häusern. Es gibt hier auch eine Gasse, die komplett von Regenschirmen überspannt wird und wo man sehr guten Kaffee genießen kann.
Im Dunkeln und später auch im Regen ging es dann die ganze Strecke wieder zurück (hat gefühlt ewig gedauert). Mit kurzem Blick auf Medellin bei Nacht war die Tour beendet und ich bin wieder in mein Hostel zurückgekehrt…
Manizales
Im Bus habe ich ein Pärchen -er Brasilianer, sie Französin- kennengelernt, mit denen ich mir in Taxi zum Hostel geteilt habe. Wir sind dann nochmal wieder in die Stadt gefahren und haben uns die Kathedrale angesehen, die angeblich die 5thöchste der Welt sein soll. Nach dem Dinner bin ich mehr oder weniger direkt ins Bett, denn kurz vor 5 hat schon wieder der Wecker geklingelt.
Los Nevados NNP
Nachdem von Salento aus eine Mehrtageswanderung nicht geklappt hatte, habe ich mich von Manizales aus zu einer Tagestour zum Gletscher San Isabel angemeldet. Mit dem Jeep ging es ca. 2 Stunden bis zum Frühstückspunkt, die ich trotz holpriger Straße mit Schlafen verbracht habe. Nach klassisch kolumbianischem Essen ging es dann nochmal ca. eine Stunde weiter, bis wir losgewandert sind. Ich bin anstatt mit den Leuten aus meinem Auto (zwei kolumbianische Pärchen) mit einer Gruppe aus Deutschen und Schweizern gelaufen. Die Landschaft war echt super schön und der/die Tourguide hat uns mit jede Menge Infos über die Pflanzen- und Bergwelt gefüttert. Insgesamt sind wir ca. 3 Stunden bis auf 4700m geklettert, wo der Gletscher angefangen hat. Oben war es sogar richtig kalt und obwohl ich bestimmt noch ein bisschen akklimatisiert bin hat mein Herz ganz schön geklopft.
Später ging es dann leider den gleichen Weg wieder runter, wo es dann um 17.00 ‚Almuerzo‘ (Mittagessen) gab. Über Stock und Stein und Schlaglöcher erstaunlichen Ausmaßes ging es dann auch wieder zurück in die Stadt. Am Abend war ich noch schnell im Supermarkt und habe mich mit einer Schweizerin unterhalten, die ebenfalls Leute für einen Mehrtageshike gesucht hat und genauso unerfolgreich war wie ich. Nach einer heißen Dusche (noch ein Vorteil Kolumbiens: warmes Wasser ist nicht ganz so selten wie in den anderen Ländern) ging es dann für mich ins Bett.
Heute morgen war ich kurz in der Shopping Mall ums Eck, habe zusammen gepackt und mich mit Philipp (von der Wanderung gestern) am Busbahnhof getroffen, wo wir nach kurzem Hin und Her ein Ticket nach Medellin gekauft haben. Dank jeder Menge Baustellen auf dem Weg haben wir leider unfassbar lange in die ‚Stadt des ewigen Frühlings‘ gebraucht…
Salento
Als aller erstes haben wir uns auf Empfehlung bei einem kleinen, amerikanischen Café/Restaurant einen Penutbutter-Brownie gegönnt und den Nachmittagsregen mit Spielen verbracht. Unser Abendessen war leider eher ein Fiasko: indisches Restaurant ohne indisches Essen, Bestellung teilweise vergessen, falsches Essen,…
Den Abend habe ich dann alleine in meinem Hostel verbracht. Von Live-Musil beschallt habe ich meine Flüge nach San Andrés, eine Karibikinsel neben Niqueragua, gebucht. Viel zu spät bin ich dann in mein super bequemes Bett in meinem merkwürdig verlassen Dorm gekrochen.
Valle de Cocoa
Um 7.30 sind wir am Marktplatz in einer der super coolen und ausgebauten Jeeps gestiegen und zum Valle de Cocoa gefahren.
Mit etwas Verwirrung über den richtigen Weg sind wir dann Richtung Casa del Kolibri aufgebrochen. Der Hike ging zuerst immer entlang eines super super matschigen Weges (ernsthaft, es war wie in einem Computerspiel, von Stein zu Stein springen, am Stacheldraht festhalten etc.).
Später sind wir dann durch den Cloudforest gestolpert, über Hängebrücken geschaukelt und schlammige Wege emporgeklettert. Am Kolibrihaus angekommen, haben wir die kleinen Vögel beobachtet und eine heiße Schokolade mit Käse (ja, so trinkt man das hier) getrunken. Nach einer kurzen extremen Schlammschlacht sind wir dann noch weiter in die Höhe geklettert, um die Aussicht vom Mirador zu genießen.
Den restlichen Weg haben wir dann doch tatsächlich noch gesehen, weshalb die meisten (nationalen) Touristen hierher kommen: die Wachspalmen, die bis zu 60m aus dem Gras kerzengerade in die Höhe ragen.
Den Nachmittag haben wir dann Mal wieder bei Brunch verbracht, mit gutem Kaffee und abendlichem Schlemmerfest.
Ich habe außerdem feststellen müssen, das ich keine drei-Tages-Tour in den Parque de los Nevados machen kann, weil außer mir keiner mitmag.
Also werde ich als nächstes nach Manizales fahren, in der Hoffnung, zumindest von dort eine Tagestour mit anderen Leuten machen zu können.
Cali
An unserem ersten Tag in Cali haben wir eine Food-Tour mitgemacht. Es ging an coolen Graffitis, mit Fun Facts über die Stadt gespickt, durch schöne Ecken der Stadt zu einem klassischen Markt. Dort hat uns der Guide (ein Holländer) den ganzen Vormittag über die unterschiedlichsten Dinge zum Probieren gegeben: Getränke, Früchte, Hauptspeisen, Kaffee,…
Es war wirklich eine gute Tour und die meisten der Pröbchen waren richtig lecker!
Cali gilt allerdings eher als gefährlicheres Pflaster und man ‚gibt Papayas‘ (ein Ausdruck, der bezeichnet, das man danach fragt ausgeraubt zu werden), wenn man mit seinem Smartphone oder seiner Camera längere Zeit in der Hand rumläuft.
Am Nachmittag haben wir uns dann noch bei einer Free Walking Tour angeschlossen, um ein wenig mehr von der Stadt zu sehen und noch mehr Infos zu bekommen.
Für unser Abendessen haben wir uns mit Fernando, dem Kolumbianer, den wir in Bolivien kennengelernt hatten, getroffen und ihn das erste Mal in seinem Leben in ein vegitarisches Restaurant bewegt. Wir wollten noch einen Blick auf eine Salsabar ums Eck werfen, aber um 22.00 Uhr war da leider noch nichts los.
San Cipriano
Um 5 in der Frühe sind wir und ein holländisches Pärchen (das sogar durch Zufall meinen Cousin Dario, u.a. vom Reisen kennt!) zum Busterminal aufgebrochen. Dort haben wir uns in einen Bus nach Buenaventura gesetzt und uns unterwegs rausschmeißen lassen. Von dort ging es dann weiter per ‚Brujita‘. Das ist ein großes Holzbrett mit Bänken drauf, was von einem Motorrad über schienen bis zum Djungeldorf San Cipriano gefahren wird. Man wird ziemlich direkt von einheimischen ‚Guides‘ empfangen, die einem alles vermitteln wollen. Also sind wir zu einem Wasserfall aufgebrochen, mussten dazu Flüsse durchqueren und quer durch den Regenwald durch Matschfelder waten und über Wurzeln klettern. Unsere Schuhe haben wir einfach den ganzen Tag (auch beim Schwimmen) angelassen. Den Wasserfall hatten wir ganz für uns alleine!
Ziemlich verdreckt haben wir zurück in San Cipriano ein Mittagessen bei einer der Mamas genossen und sind nach kurzer Pause zum ‚Tubing‘ aufgebrochen. Unsere prall aufgepumpten LKW-Reifen haben wir einen Kiesweg entlangeschleppt, bis wir seitlich in den glasklaren Fluss eingestiegen sind. Ab da haben wir uns -begleitet von einem panischen Hund, der bei dem Versuch uns mehrfach zu „retten“ selbst fast ertrunken ist- den Fluss hinab treiben lassen, Mal super langsam, Mal über kleinere Stromschnellen. Hat riesigen Spaß gemacht (:
Insgesamt haben wir definitiv zu viel bezahlt, weil wir eigentlich nie gehandelt haben, aber wir sind immer noch günstiger weggekommen als die vom Hostel angebotene Tour gekostet hätte.
Ziemlich nass und müffelig, haben wir uns nach einer weiteren Brujita-Fahrt an die Hauptstraße gestellt und versucht, einen Bus nach Cali anzuhalten. Relativ schnell haben wir aufgeben und sind mit dem Kollektivo nach Buenaventura gefahren (angeblich einer der kriminellsten Orte in Kolumbien) und von dort einen Bus zurück nach Cali genommen.
Wir sind leider so spät erst wieder zurück gekommen, das außer Lieferservice-Pizza kein Essen mehr verfügbar war.
Kurz nach Mitternacht haben wir uns dann alle zusammen nochmal aufgerafft, zu einer Salsabar zu fahren. Es ist ein wenig komisch, wenn man selbst kein Salsa tanzt (obwohl man das ein oder andere Mal von einem Local dazu gezwungen wird), aber es ist wirklich beeindruckend den Calienern zuzuschauen. Das keiner von denen einen Drehwurm bekommt oder über die eigenen Füße stolpert ist ein Wunder!
Jetzt sitzen Eline, Emiel und ich in einem Luxusbus nach Armenia, von wo aus wir uns nach Salento in der Kaffee-Gegend durchschlagen wollen.