Nachdem Supergau von gestern habe ich mich per Bus bis nach Guayaquil durchgeschlagen. Hier habe ich Cyril wieder getroffen und mit ihm am Nachmittag die eher unspektakuläre Stadt erkundet: eine Vorzeige-Uferpromenade bei ansonsten eher schäbiger Stadt, Touri-Attraktionen für Einheimische und 444 Stufen auf einen mit bunten Häusern bebauten Hügel auf dessen Kuppe ein Leuchtturm trohnt. Die Sicht über die Stadt war bei untergehenden Sonne eindeutig schöner als die Stadt selbst…
Noch immer bin ich mächtig traurig darüber, dass ich nicht ‚das Dach der Erde‘ besteigen konnte.
Abends haben die Hostelgäste den Geburtstag der Besitzerin mit traditionellem Essen und dem Besuch einer eher untypischen rockigen Bar gefeiert.
Jetzt befinden wir uns auf dem Weg an die Küste, in der Hoffnung, das das Meer seine übliche Wirkung hat (:
Autorenarchiv: lara
Riobamba y Chimborazo
Ben und Eric haben mich am Busbahnhof abgeholt und ins Hotel gebracht, ein sehr verlassener und seltsamer Ort. Nach einer nächtlichen Gesangs- und Musikeinlage haben wir den nächsten Tag mit Informationen-Sammlung verbracht. Wir haben den Besitzer der Refuges auf dem Chimborazo (zum Erdmittelpunkt gemessen der höchste Berg der Erde) getroffen und mit ihm ein Angebot ausgehandelt. Den Rest des Tages haben wir ausgespannt und Besorgungen gemacht, denn heute ging es früh raus und Richtung Chimborazo.
Mit dem Auto wurden wir bis an den Eingang gefahren (4300m). Von dort aus sind wir die 8km lange Straße Richtung Refuge 1 gelaufen, was auf dieser Höhe für mich schon zu leichtem Schwindel führte. Allerdings habe ich es bis auf 4800m gepackt, wo es dann Coca-Tee und Suppe gab. Anschließend sind wir mit ein paar anderen Wanderern bis zu Whymper Needels gelaufen. Persönlicher Rekord: 5295m
Der steinige Weg trug zur großen Anstrengung bei, immer wieder Schwindel und Pausen unter Herzklopfen. Eigentlich war geplant, die erste Nacht auf der 1. Schutzhütte zu verbringen und die zweite vor dem eigentlichen Aufstieg auf der 2.
Allerdings ging es mir auf Schutzhütte 1 nach so einem hohen Aufstieg kein bisschen mehr gut. Anfangs hat es sich angefühlt als sei ich betrunken, dann kamen Kopfschmerzen, Übelkeit und letztendlich hat meine Temperaturregulation komplett ausgesetzt. Ich habe ca. 1h gehofft das es wieder besser wird aber nachdem es mir auch dann noch so schlecht wie selten ging, habe ich etwas Panik bekommen und bin leicht überstürzt Richtung Parkeingang gewandert. Unten sollte ich eigentlich abgeholt werden und wieder nach Riobamba gebracht werden, aber weil der Fahrer auf sich warten ließ, musste ich 2 Stunden mit dem Parkranger chillen, mit ihm sämtliche Fotos auf Facebook durchgehen, frieren und gebrochene Unterhaltungen führen…
Letztendlich bin ich im Dunkeln in Riobamba angekommen, habe das nächstbeste Hotel genommen und sitze jetzt hier. Mutterseelenallein (meine Travelpartner werden morgen eventuell ihr Glück versuchen) und unklar darüber, wie viel ich bezahlen muss, wann und wohin es weiter geht.
Morgen werde ich all das herausfinden und hoffe, dass ich meine Leute an der Küste möglichst bald wieder treffen kann.
Fazit des Tages: Es ging mir selten so dreckig, meine jetzige Situation ist eher ungünstig, aber am Chimborazo wandern entschädigt mit wundervollen Blicken!!
Baños es muy bonito
Freitag um 9 ging es mit den grausligen Fahrrädern die asphaltierte Straße aus Baños heraus Richtung Puyo, (fast) immer bergab. Unterwegs einige Ziplining Angebote und insgesamt sieben Wasserfälle zu sehen. An einer Brücke haben Matteo und Christina (ECU) sich herabgestürzt und wir anderen (Jonny (ECU), Sebastiaan (NL) und ich) staundend zugesehen. Mit Abstand am besten war El Casada del Diabolo, einer der eindrucksvollsten und mächtisten Wasserfälle, die ich je gesehen habe. Kleiner Nebeneffekt: man wird pitschpatsch nass und schürft sich eventuell die Knie auf, wenn man durch Felsspalten robbt (Achtung Platzangst!).
Mit dem holprigen Bus ging es dann wieder durch dunkle Tunnel zurück nach Baños, wo wir eine kleine Pause mit typischem Essen gemacht haben.
Zusammen mit den Mexikanerinnen hat uns ein Lieferwagen auf seiner Ladefläche am Nachmittag zu Casa del Arbor gebracht. Das sind mehrere Riesenschaukeln mit sagenhaftem Ausblick und ein Baumhaus. Der Rückweg wurde uns mit 30min ecuadorianischer Zeitrechnung beschrieben, einfach nur bergab. Nach anderthalb Stunden durch Matsche und herabrutschende Erde, immer wieder klasse Aussicht auf die Stadt und Spanischunterricht to go haben wir es dann geschafft. In Ecuador feiert man gerade ‚das Ende des Oktobers‘ und die Strasse ist voller Musik, der Himmel voller Feuerwerk.
Die anderen sind teilweise wieder in die Stadt feiern gegangen aber ich habe stattdessen den Abend mit zwei anderen Reisenden beim Billard verbracht.
Samstag morgends waren alle recht groggy also bin ich mit dem nachgereisten Cyril (SUI) zu zwei Aussichtspunkten am Berg gewandert. An einem war mitten auf dem Berg ein Gottesdienst im Gange, etwas weniger steif als in Deutschland 😉
Nach gemeinsamem Mittagessen mit dem müden Rest der Truppe haben wir die Ecuadorianer verabschiedet und sind langsam Richtung Thermalbäder gefahren. Diese Naturbäder in unterschiedlichsten Temperaturen sind auch bei den Einheimischen beliebt und man darf sie nur mit Badekappe betreten. Also haben wir uns unterwegs die schlimmstmöglichen Modelle besorgt und ein paar Stunden zwischen eiskalt und brühend heiß gewechselt.
Zurück mussten wir leider durch Wind und Regen laufen. Deshalb haben sich Sebastiaan, Cyril und ich sich mit einer Stunde Massage belohnt.
Heute früh habe ich meine sieben Sachen gepackt, ein Busticket gekauft und meinen Backpack bei Cyril untergestellt.
Anschließend sind wir zu einer Touri-Djungeltour gestartet. Nach mehreren Kreisen mit dem Bus durch die Stadt ging es in den ‚Djungel‘ von Puyo (was auf Quechua übrigens Wolke heißt). Erster Stopp: Aussicht auf ein Flussdelta, alle ein Foto, weiterwinken, wieder in den Bus.
Zweiter Stopp: eine Auffangstation für unterschiedlichste Tiere (auch so abgefahrene Exemplare wie Jaguare,…). War aber leider nicht so wirklich schön angelegt. Besonders unterhaltsam war eine Gruppe Engländerinnen, die den Lautstärkepegel circa verfünffacht haben und alles ‚Look at it, so cute, whoooo!‘ fanden. Für einen Tag jedoch durchaus unterhaltsam (:
Die dritte Touri-Unterhaltung war jedoch wirklich ganz nett: mit einem Holzkanu über der Rio Puyo, herrliche Pflanzenwelt, immer mal wieder Stromschnellen, Kentergefahr und Aufsetzen auf die Steine.
Nach einem Mittagessen (Reis mit Bohnen, wer hätte das gedacht?!) sind wir wortwörtlich weiter’gestiefelt‘, denn spätestens jetzt wurde jeder mit Gummistiefeln ausgestattet und das mit gutem Grund. Beim nächsten Halt nämlich sind wir quer durch den Djungel, seine Flüsse und Schlammlöcher gewandert. Unterwegs hat unser Guide uns mit ein paar Infos über den Djungel und seine Bewohner gefüttert (die Spinnen können hier sogar schwimmen -ein Alptraum wenn man bedenkt wie riesig sie sind!)
Eine gratis natürliche Gesichtsmaske aus einem bestimmten Gestein war inklusive, für die man in der Stadt scheinbar viel Geld bezahlt.
An einem anderen Punkt des Weges konnten wir eine Liane entlangschwingen, sehr spaßig und auch wahnsinnig hoch!
Das Ziel der Wanderung war der Wasserfall Hola Vida, in dem man sich traditionell etwas wünschen darf. Also rein in den Bikini und ab unter den prasselnden Strahl! An dieser Stelle verrate ich natürlich nicht, was ich mir gewünscht habe, aber angesichts der Tatsache, das mein südafrikanisches Fußbändchen der Kraft des Wassers zum Opfer gefallen ist, gehe ich davon aus, das mein Wunsch in Erfüllung geht 😉
Der letzte und meiner Meinung nach unnötigste Stopp sollte der Besuch in einem indigenen, nicht besonders authentischem Dorf sein.
Begrüßungsdrink: Yukka-Saft, kleine Kinder malen einem das Gesicht an und halten die Hand auf, die gleichen tanzen in nachgeschneiderten Kostümen einen ewigen Tanz und stellen eine Schale für Spenden auf, wollen einem Schmuck verkaufen oder einfach so Geld. Cool war allerdings das dorfeigene Faultier und die Tatsache, das wir jeder mit dem Blasrohr auf eine Holzstatue schießen durften.
Leider hat sich dadurch der Trip so in die Länge gezogen, dass ich den Busfahrer zur Höcheistung anpeitschen musste. Trotz alledem kam ich deutlich später als geplant wieder in Baños an. Die Ecuadorianer sind allerdings meistens wahnsinnig nett, also hat er mich (und den ganzen Bus voller Leute) vors Hostel und dann mit Rucksack wieder zum Busbahnhof gekarrt.
Hier sollte ich mit einem leicht zweifelhaften Bus nach Riobamba fahren, den ich auf der Straße einfach anhalten sollte.
Besagter Bus kam mit einer halben Stunde Verspätung vorbei, sodass ich schon Angst hatte er komme garnicht mehr. Aber ein netter Student hat sich meiner angenommen und mit mir gewartet.
Also sitze ich jetzt, leicht feucht vom Djungel und dem nassen Bikini, mit roter Farbe im Gesicht und hoffentlich allen meinen Sachen in einem stockfinsteren Bus mit beschlagenen Scheiben auf dem kurvenreichen Weg nach Riobamba.
Der Ecuadorianer, der vorhin noch knackend auf seinem Zuckerrohr gekaut hat, lehnt jetzt semi auf meiner Schulter, die Frau über den Gang singt lauthals mit unbekannte Lieder mit und der Busfahrer klatscht im Takt. Das Leben ist eigentlich ganz witzig…
Saqusili y Baños
Sebastiaan, Matteo und ich sind heute morgen nach Saquisili aufgebrochen, wo uns ein indigener Markt versprochen wurde. Nach einigem Umherirren hat uns ein freundlicher Polizist den Weg gezeigt. Wunderbare Farben, mehr oder minder angenehme Gerüche, keine Touris, viele arme Tiere (Meerschweinchen und Hasen en masse). Wir hätten sogar ein lebendiges Schwein für 50$ kaufen können…
Nach kurzer Verschnaufspause im Hostel haben wir den Bus nach Baños genommen. Das ist einer DER Backpacker-Treffpunkte Ecuadors. Sebastiaan hat hier zwei vorherige Travelpartner wieder getroffen und zusammen mit den zwei Mexicanerinnen waren wir den Rest des Tages/der Nacht unterwegs: in der Stadt umherstreunern (sehr süßes aber auch deutlich touristischeres Städtchen), essen (un plato vegitarian por favore), Pläne schmieden für morgen,…
Später haben wir noch einen sehr interessanten Drink abgegriffen, den man anzündet und möglichst schnell trinken muss. Den Abend haben wir in einer Bar (?) ausklingen lassen wo wild auf lateinamerikanische Musik getanzt wurde, beeindruckend wie sich die Leute hier bewegen können!
Quilatoa
Nach einer durchschnarchten Nacht ging es heute früh raus. Nach Frühstück und Taxifahrt zum Busbahnhof saßen alle im Bus von Latacunga nach Quilatoa. Das Team: Matteo (GER), Cyril (SUI), und Sebastian (NL) und ich (man möchte meinen GER). Unsere bunte Truppe machte sich also nach wieder typisch vagen ecuadorianischen Aussagen über Busfahr- und Zeitpläne auf, den Kratersee von Quilatoa einmal zu umrunden. Gleich zu Beginn: atemberaubende Aussicht, grüner See, schwindelerregende Höhen. Und dann begann das Gekraxel rauf, das Gerutsche hinunter, kleines Intervalltraining mit Höchstherzraten. Unterwegs immer wieder legendäre Bilder, kleine Pausen, witzige Unterhaltungen, Lamas, Esel, streunende Hunde und Sprachunterricht (SUI, NL, E).
Nach ca. 5 Stunden im Staub, unter der Sonne und durch Wolken laufend haben wir es tatsächlich geschafft. Höchster Punkt fast 4000m!
Perfekt getimed kam der Bus zurück, über Abendessen mit vielen Lacheinlagen haben wir diesen wunderschönen Tag ausklingen lassen. Muskelkater ahoi!