Zurück in der Realität

Nach einem letzten gemeinsamen Frühstück sind wir wieder Richtung San Francisco gestartet. Leider hatten wir einigen Verkehr, weshalb es zuletzt für die Boys eher knapp wurde am Flughafen (hat aber alles hingehauen). Wir Mädels haben direkt übergehend unseren neuen Mietwagen abgeholt und in einer Blitzaktion neu beladen. Dann haben wir ausgiebig eingekauft und geschlemmt, ins neue alte Hostel eingecheckt und das Auto in ein Parkhaus gebracht.
Heute früh haben wir es genau dort abgeholt, nur um es recht teuer an der Hafenfront wieder zu parken, von wo aus unsere Fähre nach Alcatraz gestartet ist. Auf der ehemaligen Gefängnisinsel angekommen, haben wir uns umgesehen und via Film und Audioguide einiges Spannendes über die Geschichte der Insel gelernt -insgesamt eine beeindruckende Tour. Im Anschluss haben wir es Dank Rushhour geschafft fast dreimal so lange bis zum nächsten Walmart zu brauchen wie angesetzt, dort auf dem Parkplatz zu Abend zu essen und dann mit ein paar unfreiwilligen Abstechern zu unserem Campingplatz im New Brighton State Park bei Santa Cruz zu cruisen, wo wir (mittlerweile doch schon geübt) unser verdammt staubiges Zelt im Dunkeln aufzubauen, um unsere noch staubigeren Schlafutensilien und müden Körper darin unterzubringen.

Burning Man

Wir sind wieder da, nach 8 Tagen Staub, sengender Hitze und Exzess. Nach 8 Tagen Unerwartetem, wahnsinniger Freundlich- und Herzlichkeit, Spaß, Action, Kunst, Magie.
Es ist sehr schwer das alles zu beschreiben, jemand der nie da war wird es nur schwer begreifen.
Jeder Tag war anders, ein ungeplantes Rumstreunern und ‚Sich-Überraschen-lassen‘, immer wieder Neues und anderes. Selten haben wir es in einem Zug von A nach B geschafft, aber das war auch gut so. Wir haben viele interessante Menschen beobachtet, getroffen und kennengelernt und sehr viel Hilfsbereitschaft erfahren.
Jeden Tag haben wir Dinge mitgenommen, die es vielleicht kein zweites Mal geben wird -ein riesiger Abenteuerspielplatz. Nachts hat sich ganz Black Rock City in ein Lichter- und Feuermeer verwandelt -und auch dann gab es noch genügend Überraschungen. Wo sonst trifft man um 3 Uhr nachts in der tiefsten Wüste auf eine fahrende Küche, die einem ein von Mutti gekochtes Menü serviert?
Alle kleinen Details habe ich fest in meiner Seele verankert und ich habe mit Black Rock City eine neue Lieblingsstadt entdeckt.
Auch der Burning Man Burn sowie der Tempelburn haben sich tief in mein Herz und Gedächtnis gebrannt.
Nach dieser magischen Erfahrung waren wir allerdings auch ganz froh, wieder in die zivilisierte, klimatisierte und mit fließendem Wasser ausgestattete Welt zurückzukehren. Auch wenn die bestimmt viel langweiliger und unentspannter ist.
Zuallererst sind wir unseren gesamten Müll losgeworden und dann wurde das Auto von uns Vieren auf Hochglanz poliert.
Zum Abschluss der gemeinsamen Zeit haben wir uns noch das seit langem fettigste Essen gegönnt, bei dem für mich als Non-Fleischesser leider doch sehr kompromisslos nur Beilagen zur Auswahl standen.

Für die Zukunft steht Burning Man auf jeden Fall wieder auf dem Programm, nur wann, wie und mit wem bleibt offen.
We’ll be burning. Again.

Burner Preps

Nach dem Frühstück haben wir ausgecheckt, das Auto beladen (Teil 1, wobei wir großzügigerweise dem Hostel unsere Kissen geschenkt haben, woraufhin wir uns wieder neue zulegen mussten) und sind zu Target gestartet. Fahrräder waren hier allerdings Fehlanzeige also ging es für uns noch eine gute halbe Stunde weiter zu Walmart, wo wir dann in vier Teilen eingekauft haben: 1. Fahrräder und Zubehör (gerade so noch welche angestaubt), 2. Einen Einkaufswagen voller Wasser, 3. Campinggear und andere praktische Dinge und 4. Essen und andere Getränke. Dabei haben wir unsere Kreditkartenlimits ausgereizt und unsere Packkünste tetrisgleich unter Beweis gestellt. Den schon wartenden Janes haben wir nur schnell eingeladen, bevor es noch ca. 4 Stunden nach Reno ging, wo vor allem die Jungs sicherlich todesmüde ins Bett geplumst sind.
Nun ist es endlich soweit: wir verabschieden uns aus der Realität in unsere kleine feine Parallelwelt!
Bis in 8 Tagen dann!
We’ll be burning…

San Francisco

Mit Kaffeepause und Walmart-Stop sind wir immer gegen Westen gefahren, bis uns aufgefallen ist, das wir uns schon wieder um einen Tag vertan haben. Also haben wir uns spontan noch ein Zimmer in der Großstadt gebucht und an einem ranzigen Motel auf dem Boden zu Mittag gegessen. In San Francisco angekommen mussten wir zunächst einiges organisieren. Wir haben unser gesamtes Leben in das Hostel gefahren, was wir erst ab morgen gebucht haben (die haben vielleicht geguckt bei all dem Krempel, den wir angeschleppt haben!), haben Skibby ein letztes Mal vollgetankt und ihn dann am Flughafen zurück gegeben. Dann haben wir den Abend mit der Rückfahrt vom Airport in die Stadt sowie der lange ersehnten Dusche verbracht.
Tag 2 in San Francisco sind wir viel gelaufen: von Hostel Nr. 1 zum Union Square, wo wir Mal wieder eine Free Walking Tour bei einem überhippen Local mitgemacht haben, vom Ende der Tour die Market Street runter und von dort an den Painting Ladies vorbei bis zur Haight Street (und diese komplett rauf und runter).
Wenn wir am Anfang doch noch überraschend skeptisch dieser großen Stadt gegenüber standen (direkt vor Hostel Nr. 1 hat sich ein Junkie ne Runde H gespritzt, auf dem Weg zu Tour nur Obdachlose und verrückte, die Stadt nicht besonders schön und sehr touristisch), haben uns die wunderschönen Häuser entschädigt und die Haight Street mit ihren verrückten Second und First Hand Läden fasziniert, wo man alles was das Burner-Herz begehrt kaufen kann.
Das einzige Manko: Es ist kalt. Kalt und windig. Sehr. Deshalb bringt uns auch an diesem Abend der Bus zurück ins Hostel, wo wir zu Gourmet-Köchen mutieren, bevor wir uns in den vierfach beschnarchten 24er Dorm zurück ziehen.
Tag 3 beginnt mit gratis Frühstück im Hostel, dann machen wir uns wieder auf Wanderschaft. Erstes Ziel war der Pier 39. Schon auf dem Weg dorthin gab es einiges -wenn auch touristisches- zu entdecken. Besonders in Bann gezogen hat uns dabei eine als Museum getarnte Lagerhalle voll mit uralten Jahrmarktspielen, Automaten und anderen Unterhaltungsmöglichkeiten, die einen für Preise aus einem anderen Jahrhundert bespaßen. Außerdem war es ein kleines Highlight die Horde an Seelöwen auf den kleinen Holzinseln zu beobachten!
Auf dem Rückweg gab es noch schnell gefrorenen und in Schokolade getunkten Cheesecake am Stil. Willkommen in Amerika!
Mit Zwischenstopp im Hostel sind wir dann zur Golden Gate Bridge gelaufen, immer am Meer entlang durch eisige Briesen.
Von dort aus ging es mit Bus zum Golden Gate Park, wo wir wieder ewig herumgelaufen sind, um ein eher mäßig spannendes Bison-Gehege zu sehen.
Mit kurzem Stop am Palace of fine Arts sind wir zurück ins Hostel (nebenbei ein recht teures aber dafür auch eines der besten, in denen ich je war!) zum abendlichen Kochen und Pläneschmieden (bis Mitternacht!).
Nach gratis Frühstück Nummer zwei sind wir über die Lombard Street (eine ziemlich steile und gewundene, bepflanzte Strasse) zum Bus gelaufen und damit an die San Francisco Gallery of Modern Art gefahren. Dort haben wir uns mehr und weniger künstlerisch wertvolle Werke angesehen, bevor wir zu einer von unserem Hostel angebotene China Town Tour gegangen sind, die von einem Grufti/Vampir/Mönch gehalten wurde. Der doch sehr charismatische Typ hat uns mehrere ‚Tempel‘ gezeigt, und viel erzählt und zu einer Teeprobe mitgenommen, bevor wir dann auf eigene Faust noch ein wenig die kulinarische Gegend erkundet haben. Von Chinatown ging es über Little Italy zurück zu unserer Base, wo wir die Wartezeit auf Julian bastelnd verbracht haben. Zu dritt vereint haben wir dann ganz nach amerikanischer Sitte Pizza gemacht und Peanutbutter-Icecream genossen.

Yosemite Nationalpark

Um 5 sind wir von unserem Tent Cabin zum Yosemite losgestochen. Unser Ziel entgegen allen Empfehlungen wegen zu großen Andrangs: Camp 4, ein Walk in Campingplatz, der nach dem Motto verfährt: First come, first serve.
Um 6 sind wir angekommen, vor der Registrierung (öffnet um 8) hatten scheinbar schon ein paar Leute gecampt. Am Eingang ein Schild: heute werden 52 Leute reingelassen! Also haben wir uns mit Decke und Frühstück in die Schlange dieses exklusiven Clubs gereiht. Nachdem ich Mal grob gezählt hatte (45!) wussten wir nicht so genau, ob das jetzt gut oder schlecht ist, denn von einigen Gruppen haben sich nicht alle angestellt. Ich bin richtig nervös geworden und hab einfach gehofft, das es hinhaut!
Kurz vor acht ging es dann los: es wurden Nummern verteilt. Und wie es das Schicksal wollte, haben wir Nummer 52 bekommen. Allerdings zu zweit!
Also folgten weitere 2 Stunden banges Warten, ob alles funktioniert. Und dann die Erlösung! Ein Platz für uns beide auf dem heißbegehrten Campingplatz!
Das Übliche folgt: Zelt aufstellen und nach Tips unserer Nachbarn gegen Regen schützen, alles in die Bärenbox und Schlafplatz aufbauen.
Anschließend haben wir uns mit Kaffee versorgt und Pläne geschmiedet. Immer der Nase nach sind wir losgestiefelt und so den verbleibenden Tag vom Mirrow Lake (leider im Sommer nicht mehr viel von übrig) über das Yosemite Village zu den Yosemite Falls (ziemlich cool) gewandert. Leider drängeln sich hier bisher fast überall die Touris, aber sobald man die asphaltierten Wege verlässt, lässt auch der Andrang nach.
Ziemlich erschlagen haben wir im Zelt entspannt und den Abend mit unseren Nachbarn am Lagerfeuer ausklingen lassen. Dabei haben wir versucht, Popcorn auf dem Feuer zu machen, was eher das Kind in und als unseren Gaumen erfreut hat.
Tag 2 startete dann zur üblichen Uhrzeit. Mit dem Shuttle ging es bis zum Four Miles Trailhead, von wo aus wir gut 8 km den Berg erklommen haben, teilweise ziemlich steil, aber immer mit bestem Ausblick. Oben angekommen am Glacier Point haben wir den Blick auf den Half Dome genossen und Mittagspause gemacht, bevor wir die ganze Strecke knieschonend wieder runtergelaufen sind.
Den Nachmittag haben wir uns wie immer ein wenig versüßt und ein bisschen im Zelt abgehangen.
Am Abend haben unsere Camping-Nachbarn nochmal versucht Popcorn auf dem Lagerfeuer zu machen und sind kläglich gescheitert. Wir haben bis das Feuer aus war noch gequatscht und dann alles tierfest verstaut, bevor wir in die Schlafsäcke gekrochen sind.
Heute früh waren unsere quasi Mitbewohner dann schon bevor wir aufgestanden sind abgereist, nur ihre Stühle haben sie uns als Geschenk da gelassen.
Wir haben sehr entspannt gefrühstückt und uns auf einen noch entspannteren Tag vorbereitet. Es konnte ja keiner wissen, das es zu den Vernal und Nevada Falls fast 5km treppenartig in die Höhe geht! Aber trotz der unerwarteten Anstrengung hat es sich gelohnt: mit einer der schönsten Spots im Yosemite Park mit eindrucksvollen Wasserfällen, Regenbogen und toller Landschaft.
Die tausend Stufen sind wir natürlich auch wieder runter und haben uns dann einen gemütlichen Nachmittag/Abend gemacht!
Heute frühs hieß es dann ‚Bye Bye‘ Yosemite und mit einem letzten Frühstück am Rim of the World haben wir uns vorerst aus den Nationalparks in Richtung San Francisco verabschiedet…