Natürlich kam der Bus zu spät. Aber das sollte nur eine nebensächliche Tragödie der Nacht werden.
Der recht luxuriöse Bus stoppte nach zwei Stunden Fahrt plötzlich und riss uns aus dem Halbschlaf.
Eine gemeine Gaunerbande hatte riesige Steine auf die Strasse geräumt und zwang den Bus zum Anhalten. Dann bedrohten sie mit Pistolen den Busfahrer, der aus Angst die Tür öffnete, schlugen ihn blutig und stürmten zu fünft den Bus.
Jeder wurde mit einer Waffe bedroht, Taschen komplett ausgeleert und Geld sowie Wertgegenstände gefordert. Zuerst dachte ich noch, ich käme glimpflich davon, denn ich konnte mein Handy verbergen, indem ich einem Überfäller ein altes kaputtenes andrehte. Leider löste sich aber bei dem Versuch mein richtiges Handy besser zu verstecken der Kopfhörer und meine daraufhin spielende Musik verriet mich.
Der ganze Bus verblieb für einige Minuten in Schokstarre nach diesem Vorfall. Ich glaube Ben und ich haben sich einfach nur ungläubig angeschaut.
Dann haben wir langsam das Chaos beseitigt, Verluste gecheckt, mit den anderen Fahrgästen geredet.
Der Busfahrer musste erstmal zum Nähen ins Krankenhaus und währenddessen durften sich alle anderen mit den peruanischen Behörden, nämlich einem winzigen, ranzigen, eiskalten Polizeibüro irgendwo im Nirgendwo vergnügen. Wahnsinn, wie langsam und ineffizient manche Menschen arbeiten…
Mit 12 Stunden Verzögerung kamen wir durch wunderschöne Landschaft fahrend und wieder im Dunkeln in Cusco an. Dort durften wir dann noch mal 2h mit dem Busunternehmen über Verlusterstattungen streiten.
Alle sehr umnächtigt, geschockt und bei jeder Verlangsamung des Buses aufschreckend haben wir noch Treppenstufen bis zum Hostel erklommen, zu Abend gegessen und sind ins Bett gefallen.
Vor dem Hintergrund das Ben sein iPhone und ich mein Handy -beide mit allen Bildern etc.- verloren haben und wir jeder mal eine Pistole im Gesicht hatten, ist die Stimmung gerade nicht besonders glücklich und mein Sicherheitsgefühl lässt zu wünschen übrig.